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Um der Mode willen: Multinationale Modemarken billigen Ohnmachtsanfälle von Arbeiter_innen

2015 12 10 PM Cambodia[10.12.2015]

Heute, am internationalen Tag der Menschenrechte, schließt sich das Netzwerk der Clean Clothes Campaign (CCC) dem globalen Aufruf mit der Forderung nach US$ 177 im Monat an. Multinationale Modemarken wie H&M, Levi's und Co werden aufgefordert, sicherzustellen, dass Arbeiter_innen in Kambodscha US$ 177 im Monat verdienen. Für die kambodschanischen Arbeiter_innen wäre das ein erster Schritt hin zu einem Existenzlohn. Außerdem unterstützt die CCC die kambodschanische Gewerkschaftskoalition in ihrer Forderung an die Nationalversammlung des Landes, einen umstrittenen Gesetzesentwurf über Gewerkschaftsrechte nicht zu verabschieden, solange keine ernsthafte Konsultation der Zivilbevölkerung und der Gewerkschaften dazu statt gefunden hat.

Heute werden Modegeschäfte von H&M, adidas und Co gezielt durch Straßenaktionen in den USA, Europa und Asien adressiert. In Kambodscha gehen tausende Arbeiter_innen einer Koalition aus acht Gewerkschaften auf die Straße. Sie tragen Anstecker mit der Botschaft: „We need a living wage!“ oder „$177“. In Dresden wird am Nachmittag (gegen 16 bis 17.30 Uhr) eine Aktion auf der Prager Straße in Höhe der Centrum Galerie statt finden.

Trotz des Einspruchs einiger Gewerkschaften, stimmte der Labour Advisory Council (LAC), ein dreigliedriges Gremium, im Oktober für einen neuen Mindestlohn von US$ 140, der ab Januar 2016 für 700.000 Arbeiter_innen der Bekleidungsindustrie eingeführt werden soll. Diese unzureichende Lohnerhöhung von lediglich US$ 12 ist ein Schlag ins Gesicht für Arbeiter_innen, die sich seit über einem Jahr für einen fairen Mindestlohn von US$ 177 einsetzen.

In jüngster Vergangenheit kam es in Kambodscha erneut zu einer Welle von Ohnmachtsanfällen in Fabriken der Bekleidungsindustrie. Im August 2015 fielen in vier Fabriken Kambodschas fast 400 Arbeiter_innen in Ohnmacht. Allein am 2. Juli verloren 38 Arbeiter_innen ihr Bewusstsein in einer Fabrik der Hauptsstadt. 2014 kollabierten mehr als 1.800 Arbeiter_innen in 24 Fabriken Kambodschas. Diese Ohnmachtsanfälle wurden in Verbindung gebracht mit Mangelernährung, hoher Zielmargen und überlangen Arbeitszeiten infolge von Niedriglöhnen und dem Kampf ums Überleben.

Athit Kong, stellvertretender Präsident der C.CAWDU, eine unabhängige Gewerkschaft in Kambodscha, erklärt: „Nach jahrelanger Kampagnenarbeit ist klar, dass der einzige Weg, der dazu führt, dass Arbeiter_innen in Kambodscha einen Existenzlohn bekommen, sind Kollektivverhandlungen zwischen Modemarken als Arbeitgeber und Gewerkschaften. Ein Mindestlohn von US$ 140, wie er jetzt bestimmt wurde, ist wie wenn man seinen verarmten Arbeiter_innen Brotkrumen hinschmeißen würde. Um überhaupt irgendeine Weise davon überleben zu können, brauchen wir US$ 177 als einen grundlegenden ersten Schritt!“

Parallel zum Prozess des Mindestlohns gibt es derzeit in Kambodscha einen umstrittenen Gesetzesentwurf, der darauf abzielt, die Gewerkschaften des Landes zu regulieren. Bis jetzt gab es dazu keine ernsthaften Konsultationen der Zivilbevölkerung und der unabhängigen Gewerkschaften von Seiten der Regierung. Nach dem Entwurf würde die Registrierung von Vereinigungen weiterhin schwierig bleiben, die Autonomie von Gewerkschaftsaktivitäten wäre eingeschränkt, es wäre möglich, ganze Gewerkschaften aufzulösen, im Falle dass individuelle Gewerkschaftsfunktionäre illegal agierten. Andere Maßnahmen beinhalten derart hohe finanzielle Strafen für Gewerkschaften, die gegen das Gesetz für Gewerkschaften verstoßen, dass diese sogleich bankrott gehen würden.

Die CCC fordert Modemarken auf, sicherzustellen, dass Arbeiter_innen in Kambodscha US$ 177 verdienen, und dass die Regierung Kambodschas die unabhängige Gewerkschaftskoaltion hinsichtlich des Gesetzes für Gewerkschaften konsultiert.

Eine Petition zum Thema finden Sie hier: http://t1p.de/WeNeed177

Hintergrund:
Die CCC unterstützt fortlaufend Frauen und Männer der ganzen Welt, die Bekleidung für große multinationale Modemarken herstellen.

Seit Ende 2013 fordern Arbeiter_innen in Kambodscha eine Erhöhung des Mindestlohns auf US$ 177, um endlich wichtige Schritte in Richtung eines tatsächlichen Existenzlohns zu gehen. Anfang Januar 2014 eskalierte es bei Demonstrationen als die Polizei und das Militär gegen die Lohnproteste vorging. Fünf Personen wurden getötet, 23 verhaftet und viele andere verletzt.

Kontakt:
Berndt Hinzmann, Clean Clothes Campaign Deutschland,
INKOTA-netzwerk, Berlin,
hinzmann@inkota.de
Mobil: 0160 94 69 87 70

Fabienne Winkler, Clean Clothes Campaign Deutschland,
Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen, Dresden,
fabienne.winkler@einewelt-sachsen.de
Mobil: 0151-55664432

Pressemitteilung als PDF

 

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