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Neuer Fairtrade Standard für Textilien greift zu kurz

2016 03 24 Fairtrade[24.03.2016]

Ein Produkt-Label das auf Sozialaudits basiert, keinen Existenzlohn garantiert und die Kosten alleinig den Produktionsbetrieben aufbürdet, schafft keine grundlegenden Verbesserungen für Arbeiter_innen in den Kleiderfabriken.

Fairtrade International veröffentlichte am 22. März 2016 den neuen Fairtrade Textil-Standard. Die Clean Clothes Campaign (CCC) begrüßt, dass der Standard die ganze Produktionskette abdecken soll, hat jedoch während des Konsultationsprozess an Fairtrade International mehrere Kritikpunkte zurückgemeldet.

Die Hauptkritikpunkte der Kampagne für Saubere Kleidung – Clean Clothes Campaign beinhalten:

1. Falsches Instrument für diese Industrie
Die CCC hält einen sektorweiten Ansatz mehrerer Unternehmen wie ihn Multistakeholder-Initiativen verfolgen, für besser geeignet als einen produktbezogenen Ansatz eines einzelnen Unternehmens. Als Produkt-Label bezieht sich der Fairtrade-Textilstandard auf einzelne ausgewählte Lieferketten und nicht auf die gesamte Geschäftstätigkeit eines Unternehmens. 25 Jahre Erfahrung der CCC zeigen, dass die Ursachen von Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in globalen Lieferketten durch sektorweite Ansätze und umfassende Veränderungen der Geschäftstätigkeiten eines Unternehmens besser adressiert werden können. Mit dem derzeitigen Fairtrade-Textilstandard wird Unternehmen die Möglichkeit gegeben, einzelne Produkte als „fairtrade“ zu kennzeichnen und für die restlichen 99% der Produkte gilt busines-as-usual. Dies ist eine zu schwache Basis für strukturell notwendige Veränderungen und dient leicht dem „greenwashing“.

2. Sorgfaltspflicht und Verantwortung des Handels wird verlagert auf die Lieferanten
Der neue Textilstandard ist umfassend, jedoch werden die Label-Nutzer (einkaufende Unternehmen) kaum für die Einhaltung der Arbeitsrechte direkt in die Pflicht genommen. Der Standard beinhaltet primär komplexe und kostspielige Anforderungen für die Produktionsfabriken, verlangt aber von den Markenfirmen keine Anpassung der Geschäftstätigkeit und Einkaufspraktiken.

3. Ein Kontrollansatz greift zu kurz
Fairtrade International baut die Kontrollen fast ausschließlich auf Sozialaudits auf. Kontrollmechanismen allein haben sich jedoch als unzureichend herausgestellt. Positiv zu werten ist, dass die Ergebnisse der Audits den Arbeiter_innenvertretungen vorgelegt werden sollen. Zwar sind Begleitprogramme geplant – doch diese müssten finanziert und langfristig angelegt sein, um etwas zu bewirken.

4. Kennzeichnung ohne Garantie des Existenzlohns
Eine „fairtrade“ Kennzeichnung bevor ein Existenzlohn gezahlt wird, ist irreführend für Konsument_innen. Der Fairtrade-Textilstandard erlaubt eine Übergangszeit von sechs Jahren bis zur Bezahlung eines Existenzlohnes. Zwar soll auf der Verpackung ein Satz darauf hinweisen, dass der Existenzlohn noch nicht erreicht ist, aber dies wird von Verbaucher_innen in der Regel nicht ausreichend wahrgenommen. Außerdem: Vorgesehen ist zwar ein zwischen Fabrikmanagement und Arbeiter_innenvertretung vereinbarter Umsetzungsplan, doch der Produktionsbetrieb hat keinerlei Garantie, dass Aufträge weiterhin platziert bzw. die Kosten mit getragen werden, wenn die Einkaufspreise infolge von höheren Lohnkosten steigen würden.

Presse-Kontakte:
Gisela Burckhardt, FEMNET/CCC, gisela.burckhardt@femnet-ev.de,Tel.: 0152 01774080
Berndt Hinzmann, INKOTA-netzwerk/CCC, hinzmann@inkota.de, Tel.: 0160 94 69 87 70

Die Clean Clothes Campaign (CCC) setzt sich für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Sportartikelproduktion ein. Die Clean Clothes Campaign ist ein Bündnis von Kampagnen in 17 europäischen Ländern mit einem Netzwerk von über 250 Partnerorganisationen weltweit.

Pressemitteilung PDF

 Clean Clothes Campaign: Position on the new Fairtrade Textile Standard

 

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