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Die (fast) nackte Wahrheit über Uniformen

Näherinnenhände[13.06.2012]

MADE IN EUROPE: „Ich verdiene monatlich zwischen 5.000 und 7.000 Denar, das ist nicht einmal der gesetzliche Mindestlohn“ sagt die mazedonische Näherin Emilija. Der Mindestlohn beläuft sich auf 101 EUR und ist damit von einem Existenzlohn ebenso weit entfernt wie in Bangladesch und weit niedriger als in China oder Indonesien. Emilija näht Berufsbekleidung. Fast jeder zweite Beschäftigte trägt sie. Oft wird sie von Steuergeldern bezahlt –  z.B. für Feuerwehrleute, PolizistInnen, ÄrztInnen, KöchInnen, RichterInnen.



Die CLEAN CLOTHES CAMPAIGN enthüllt Extremausbeutung in einem Land, das uns geografisch näher liegt als Griechenland. Ein Filmpreis in Sachsen thematisiert diese „nackte Wahrheit über Uniformen“. Weitere Informationen auf www.sachsen-kauft-fair.de

 

Entwicklungspolitisches Netzwerk ENS (Dresden), Erklärung von Bern (Zürich) und Südwind-Agentur (Wien) / CLEAN CLOTHES CAMPAIGN: Die (fast) nackte Wahrheit über Uniformen

Der Sektor ist groß: PolizistInnen tragen sie, Krankenschwestern, Pfleger, Ordnungsamtsangestellte, Feuerwehrleute, KöchInnen, SoldatInnen, Bus- und BahnfahrerInnen. Ein großer Teil davon wird von Bund, Ländern, Kommunen oder öffentlichen Einrichtungen gekauft, also mit Steuergeldern bezahlt. Aber auch privat stehen Arbeitshosen vom Baumarkt auf dem Einkaufszettel.

Der Berufsbekleidungssektor ist so groß wie verschwiegen. Wo, wie und unter welchen Bedingungen Feuerwehruniformen, Arztkittel, Richterroben oder Tarnanzüge produziert werden, bleibt im Dunkeln. Die Recherchen der CLEAN CLOTHES CAMPAIGN zeigen Extremausbeutung auch vor unserer Haustür.

Gerade mal 101 EUR im Monat verdient eine Näherin von Berufsbekleidung in der südeuropäischen Republik Mazedonien. Ihr Lohn weicht damit nicht wesentlich von dem einer Näherin in Bulgarien oder Rumänien ab.

Mazedonien: Milchpreis 0,67 EuroMazedonien: Waschmittelpreise 4,80–6,20 Euro

Mazedonien: Benzinpreise 1,20–1,40 EuroMazedonien: Zur Tankstelle?

Menschenrechtsgruppen beziffern einen existenzsichernden Lohn in Mazedonien jedoch auf 625 EUR. Die Diskrepanz zwischen Mindestlohn und Existenzsicherung ist damit in Mazedonien vergleichbar groß wie in Bangladesch. Der gesetzliche Mindestlohn in Mazedonien ist sogar noch erheblich tiefer als in China und Indonesien. Mazedonien hat sich wegen der Tiefstlöhne, der gut ausgebildeten Belegschaft und der geografischen Nähe als Produktionsstandort für die Berufsbekleidungsbranche empfohlen und etabliert. MADE IN EUROPE ist jedoch keine Garantie für bessere Arbeitsbedingungen.

Recherchen zeigen dringenden Handlungsbedarf

Darüber, wo, wie und unter welchen Bedingungen Polizeiuniformen, Arztkittel, Richterroben oder Tarnanzüge produziert werden, hält sich die Berufsbekleidungsbranche bedeckt. Jüngste Recherchen der „Clean Clothes Campaign“ decken jedoch Ausbeutung vor unserer Haustür auf, in Europa! Davon profitieren Textilhändler ebenso wie Bundesländer und Kommunen. Möglich macht das ein sächsisches Vergabegesetz , das  Menschenrechte außen vor lässt.

ENS und die Initiative SACHSEN KAUFT FAIR streben eine Novellierung des sächsischen Vergabegesetzes nach dem Vorbild anderer Bundesländer in der Weise an, dass öffentliche Ausschreibungen Menschenrechte, Umweltstandards und Tariftreueregelungen berücksichtigen müssen.

Ebenso forderen ENS und SACHSEN KAUFT FAIR Berufsbekleidungshändler auf, ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen, ihre Lieferkette transparent zu machen und Menschenrechte in der Produktion unabhängig kontrollieren zu lassen.

Die zivilgesellschaftliche Initiative SACHSEN KAUFT FAIR wird getragen vom Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen ENS (Mitglied im TrägerInnenkreis der Kampagne für Saubere Kleidung), dem DGB-Sachsen, der Grünen Liga Sachsen sowie der Ev-Luth. Landeskirche Sachsens und gehört der europäischen Initiative NetWorkWear für GUT gekleidete Städte an. Sie will dazu beitragen, dass Menschenrechte im Berufsbekleidungssektor geachtet werden.


ENS / SACHSEN KAUFT FAIR und SUKUMA e.V.: Filmpreis für Nachhaltigkeit thematisiert „nackte Wahrheit über Uniformen“

JedeR kann an diesem Bürger-Filmideenpreis teilnehmen. Die besten Ideen – einzureichen auf einer einfachen Din-A4-Seite beschrieben – werden mit Filmprofis und den Ideengebern realisiert und in Dresdner und Chemnitzer Kinos ausgestrahlt. Bei den diesjährigen Einreichungen geht es um das Thema: Die (fast) nackte Wahrheit über Uniformen.

» Hier finden Sie den Recherchebericht: MADE IN EUROPE - Schweizer, österreichische und deutsche Berufsbekleidungsfirmen profitieren von Armut und Angst unter mazedonischen ArbeiterInnen und Filmclips und Fotos über Arbeiten und Leben mazedonischer Näherinnen.

 

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Christiane Schnura
koordination@saubere-kleidung.de