Endlich ein internationales Abkommen für Gesundheit und Sicherheit in der Textil- und Bekleidungsindustrie

Am 26. August gaben Bekleidungsunternehmen und Gewerkschaften eine Einigung über ein neues internationales Abkommen für Gesundheit und Sicherheit in der Textil- und Bekleidungsindustrie bekannt, mit dem das durch das Abkommen von Bangladesch eingeführte Modell für den Schutz der Näherinnen bewahrt, erweitert und ausgebaut wird.

Die Unterzeichnung dieses neuen internationalen Sicherheitsabkommens (International Accord for Health and Safety in the Textile and Garment Industry) ist ein großer Erfolg im Kampf um die Sicherheit der Textilarbeiter*innen weltweit. Die wesentlichen Elemente des bahnbrechenden Modells des Bangladesch-Abkommens werden beibehalten: die rechtliche Durchsetzbarkeit der Verpflichtungen der Marken, die unabhängige Überwachung der Einhaltung durch die Marken, die Verpflichtung, den Zulieferern Preise zu zahlen, die ausreichen, um sichere Arbeitsplätze zu unterstützen, und die Verpflichtung, keine Geschäfte mehr mit Fabriken zu machen, die sich weigern sicher zu arbeiten. Ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen in diesem Sommer wird sicherstellen, dass die weitreichenden Sicherheitsverbesserungen, die die Vereinbarung in Bangladesch gebracht hat, beibehalten und erweitert werden.

Dieses Modell, das in Bangladesch unzählige Menschenleben gerettet hat, soll nun auch auf andere Länder ausgedehnt werden, in denen das Leben von Arbeitnehmer:innen weiterhin täglich gefährdet ist. Acht Jahre nach der Einführung des ursprünglichen Abkommens unternimmt das neue internationale Abkommen den wichtigen und überfälligen Schritt, seinen Geltungsbereich über Bangladesch hinaus auszuweiten. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass dieser Prozess zum Nutzen der Textil- und Bekleidungsarbeiter:innen, die seit vielen Jahren bessere Sicherheitsmaßnahmen fordern, zügig in Angriff genommen wird.

Im Rahmen des neuen Abkommens wird die Fortsetzung der in den letzten acht Jahren in Bangladesch erzielten Fortschritte im Bereich des Brandschutzes und der Gebäudesicherheit sowie die Ausweitung des Programms über Bangladesch hinaus durch die Arbeit des Accord-Sekretariats gewährleistet. Damit bleibt eine unabhängige Aufsicht bestehen, die befugt ist, die Einhaltung der Vorschriften durch die Marken zu überprüfen und durchzusetzen. Wichtig ist, dass nur Marken, die bereit sind, die neue Vereinbarung zu unterzeichnen, Inspektionen und andere Dienstleistungen der bangladeschischen Behörde RSC (RMG Sustainability Council) in Anspruch nehmen können. Damit bestehen gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marken, die mit dem RSC die Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen in Bangladesch fortsetzen wollen.

Gisela Burckhardt, FEMNET Vorsitzende und Mitglied der deutschen Kampagne für Saubere Kleidung ruft alle Marken auf, das internationale Abkommen für Gesundheit und Sicherheit in der Textil- und Bekleidungsindustrie zu unterzeichnen. Es ist besonders wichtig, dass die Marken und Einzelhändler, die den ursprünglichen Accord nicht unterzeichnet haben, diese neue Vereinbarung unterzeichnen. Diese Marken haben sich bewusst dafür entschieden, das Leben der Beschäftigten in ihren Vertragsfabriken zu riskieren; ihre Rücksichtslosigkeit muss jetzt ein Ende haben. Sie betont: „Es besteht zudem nun die Chance, das Abkommen auch auf andere Länder und weitere Menschenrechtsaspekte auszuweiten.“

 

Es ist besonders wichtig, dass die Marken und Einzelhändler, die die ursprüngliche Vereinbarung nicht unterzeichnet haben, diese neue Vereinbarung unterzeichnen. Diese Marken haben sich bewusst dafür entschieden, das Leben der Beschäftigten in ihren Vertragsfabriken zu riskieren; ihre Rücksichtslosigkeit muss jetzt ein Ende haben.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung der Kampagne für Saubere Kleidung: https://saubere-kleidung.de/2021/08/neues-verbindliches-abkommen-ueber-die-sicherheit-der-arbeiterinnen/

Einigung auf neues, erweitertes Abkommen https://bangladeshaccord.org/updates/2021/08/25/brands-and-unions-reach-agreement-on-new-expanded-worker-safety-pact

Letzte Woche haben die Clean Clothes Campaign, das European Center for Constitutional and Human Rights und das Worker Rights Consortium ein Rechtsgutachten veröffentlicht, in dem sie darlegen, dass Marken, die nach den geltenden französischen und künftigen deutschen Gesetzen zur Sorgfaltspflicht von Unternehmen rechenschaftspflichtig sind, haftbar gemacht werden können, wenn sie entscheiden, eine neue Vereinbarung nicht zu unterzeichnen: https://cleanclothes.org/file-repository/legal_brief_on_accord_-_august_2021_-_final.pdf/view

Beitragsbilder: CCC Denmark, CCC
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