Indonesien

Indonesien liegt …

… auf dem zehnten Platz der weltweit größten Textil- und Bekleidungsexporteure – auf Platz 11 im Textilsektor und auf Platz 7 im Bekleidungssektor (2013). Zusammen bilden beide rund 10 % der indonesischen Gesamtexporte, die von der Ölindustrie und der Landwirtschaft dominiert werden. Rund 15 % der Textil- und Bekleidungsexporte gehen in die EU. 90 % der Textil- und Bekleidungsbetriebe befinden sich auf der Insel Java, auf der auch die Hauptstadt Jakarta liegt.

Obwohl es Prognosen gab, dass die indonesische Textil- und Bekleidungsindustrie zu den Verlierern der Liberalisierung im Welttextilhandel seit 2005 gehören würde, profitierte Indonesien zumindest teilweise davon, dass Aufträge aus China und Vietnam nach Indonesien verlagert wurden – dort lagen Lohn- und Produktionskosten deutlich niedriger. Als problematisch für die rund 1,1 Mio. Beschäftigten der Branche hat sich in den letzten Jahren allerdings erwiesen, dass zahlreiche Textil- und Bekleidungsbetriebe Mindestlöhne unterlaufen, den Anteil von Kurzzeit-Arbeitsverträgen deutlich erhöht und Teile der Produktion in Regionen mit niedrigeren Mindestlöhnen verlagert haben.
Auch ein hoher Anteil informeller Arbeit und die Auslagerung bestimmter Arbeitsschritte in Heimarbeit bergen arbeitsrechtliche Probleme.

Diesen Strategien stehen ein relativ gutes Arbeitsrecht, deutliche Mindestlohnerhöhungen in den letzten Jahren und das von verschiedenen Akteursgruppen (Textilunternehmen, Brands, Gewerkschaften) vor einigen Jahren vereinbarte „Protokoll zur Vereinigungsfreiheit“ entgegen.

Indonesien hat als eins der wenigen Produktionsländer von Textilien und Bekleidung alle acht Kernarbeitsnormen der ILO ratifiziert. Es gibt zwar keinen einheitlichen, landesweit geltenden Mindestlohn, aber nach Regionen differenzierte unterschiedliche Mindestlöhne. Diese liegen weit auseinander: In Jakarta beträgt der Mindestlohn umgerechnet rund 214 Euro, in Zentral-Java, nur rund 500 km von Jakarta entfernt, aber nur 87 Euro. Kein Wunder, dass Lohnerhöhungen zu den wichtigsten Anliegen der Beschäftigten gehören. Gewerkschaften und Nicht-Regierungsorganisationen wollen seit langem das „Protokoll zur Vereinigungsfreiheit“ um eine Initiative zu menschenwürdigen Löhnen ergänzen.

Bisher scheitern sie am fehlenden Interesse der indonesischen Unternehmen und ihrer internationalen Auftraggeber.

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Anzahl Textilbetriebe (2015)
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Beschäftigte Textil- und Bekleidungsindustrie (2015)
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Textilien/Bekleidung am Gesamtexport (2016)
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gesetzlicher Mindestlohn

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Sabine Ferenschild

Sabine Ferenschild

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, SÜDWIND-Institut

ferenschild@suedwind-institut.de

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