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13 Jahre nach Rana Plaza: Ruf nach Verschärfung des Sicherheitsabkommen Accord

Morgen jährt sich zum dreizehnten Mal der Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes in Bangladesch, in dem fünf Bekleidungsfabriken untergebracht waren. Bei diesem völlig vermeidbaren Unglück kamen mindestens 1138 Menschen ums Leben und über zweitausend wurden verletzt. Heute bekräftigt das weltweite Netzwerk der Clean Clothes Campaign erneut seine Solidarität mit allen, die von dieser schrecklichen Tragödie betroffen sind, und fordert große Marken nachdrücklich auf, Lehren aus dieser Tragödie zu ziehen und die Sicherheit aller ihrer Beschäftigten zu gewährleisten.

Anlässlich des Jahrestags der Rana-Plaza-Katastrophe fordert die Clean Clothes Campaign:

  • Unternehmen wie Decathlon, Ikea, Wranger und Mayoral, die Sicherheit der Textilarbeiter*innen zu gewährleisten, indem sie die verbindliche Vereinbarung zu Brandschutz und Sicherheit (Accord) unterzeichnen, die im Anschluss an diese Tragödie ins Leben gerufen wurde

  • Unternehmen, die das Accord bereits unterzeichnet haben, dazu auf, (a) dessen Geltungsbereich auf mehr Arbeiter*innen auszuweiten, (b) klimabedingte Gesundheitsrisiken in die Verpflichtung aufzunehmen und (c) sicherzustellen, dass es keinerlei Einmischung seitens der Arbeitgeber*innen in irgendeinen Teil der Arbeit des Accord gibt

  • Hugo Boss und LPP dazu auf, den Pakistan Accord zu unterezichnen und somit ihr Engagement für die Sicherheit pakistanischer Arbeiter*innen zu erneuern

  • die Regierung von Bangladesch dazu auf, die Empfehlungen der Arbeitsreformkommission umzusetzen


Aktionen, um Marken zur Rechenschaft ziehen

Mitgliedsorganisationen der Clean Clothes Campaign (CCC) in mehreren Ländern, darunter Belgien, Spanien, Bangladesch, Polen, Großbritannien und Deutschland werden diese Woche Maßnahmen ergreifen, um große Bekleidungsunternehmen wie Decathlon, Ikea, Wrangler und Mayoral dazu aufzufordern, ihre Weigerung, dieses wichtige Sicherheitsprogramm zu unterzeichnen, zu überdenken. Die Aktionen richten sich auch gegen Hugo Boss und den polnischen Einzelhändler LPP (Reserved, Mohito, House, Cropp und Sinsay), die sich Anfang dieses Jahres geweigert haben, ihr Engagement für das Sicherheitsprogramm in Pakistan zu erneuern. Wie öffentlich zugängliche Inspektionsberichte belegen, wurden bei den pakistanischen Zulieferern von Hugo Boss und LPP lebensbedrohliche Risiken festgestellt, doch beide Marken weigern sich, diese durch dieses bewährte und vertrauenswürdige Programm zu verhindern, zu mindern und zu beheben.

Der Accord ist eine verbindliche Vereinbarung mit dem Namen „Internationales Abkommen für Gesundheit und Sicherheit in der Textil- und Bekleidungsindustrie“, wurde von über 290 Marken unterzeichnet und gilt derzeit für mehr als 1700 Fabriken. Das Programm wurde nach dem Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch ins Leben gerufen und 2023 auf Pakistan ausgeweitet. Obwohl es enorme Verbesserungen für die Sicherheit der Arbeiter*innen gebracht hat, ist die Arbeit noch nicht getan. Derzeit haben 46% der Fabriken in Bangladesch die notwendigen Nachrüstungen ihrer Brandmelde- und Branderkennungssysteme noch nicht abgeschlossen, und 27% der Fabriken müssen noch Maßnahmen durchführen, die sicherstellen, dass alle Arbeiter*innen im Notfall die Fabrik sicher verlassen können. Sicherheit ist zudem ein fortlaufender Prozess und erfordert eine kontinuierliche Überwachung durch geschulte und unabhängige Inspektoren, um gefährliche Praktiken aufzudecken. Da das Bangladesch-Programm des Internationalen Abkommens Ende dieses Jahres zur Verlängerung ansteht, ist dies zudem ein entscheidender Moment, um sicherzustellen, dass es so viele Arbeiter*innen wie möglich abdeckt.

Eine umfassendere Abdeckung rettet mehr Menschenleben

Das Länderprogramm des Abkommens für Bangladesch beschränkt sich derzeit auf die Produktionsstätten, in denen die Endphase der Bekleidungsherstellung stattfindet. Das bedeutet, dass Arbeiter*innen, die in der Stoffproduktion tätig sind, oder diejenigen, die in Wasch-, Färbe- und Spinnereien schuften, sowie Arbeiter*innen in der Heimtextilien- und Accessoires-Branche noch nicht geschützt sind. Dass diese Arbeiter*innen nach wie vor gefährdet sind, zeigt sich daran, dass es seit der Gründung des Accords in solchen Betrieben weiterhin zu Bränden und Kesselexplosionen kommt.

Jüngste Untersuchungen der CCC-Organisationen CCC Italien und des Bangladesh Center for Worker Solidarity (BCWS) zu sogenannten „grünen Fabriken“ unterstreichen zudem die Notwendigkeit, dass der Accord die ausdrückliche Einbeziehung von Hitze und anderen klimabedingten Gesundheits- und Sicherheitsrisiken in die Inspektionen und vorgeschriebenen Abhilfemaßnahmen des Accords sicherstellt. „Ich habe die direkten Auswirkungen von Hitzestress auf junge Arbeiterinnen miterlebt und gesehen, was er mit ihren Körpern und ihrer Gesundheit anrichtet. Jeden Tag müssen sie ohne ausreichende Pausen oder gar Trinkwasser arbeiten“, sagt Kalpona Akter vom BCWS. Der Schutz der Arbeiter*innen vor Hitzestress ist auch ein zentrales Sicherheitsthema, das im Manifest der CCC für einen gerechten Wandel in der Bekleidungsindustrie hervorgehoben wird, das nächste Woche offiziell vorgestellt wird.

Darüber hinaus ist es nach wie vor von entscheidender Bedeutung, dass die unterzeichnenden Marken des Abkommens dafür sorgen, dass es zu keinerlei Einmischung seitens der Arbeitgeber*innen in irgendeinen Bereich der Abkommensumsetzung kommt – von den Inspektionen über Schulungen bis hin zum Beschwerdemechanismus, wie dies in dem im letzten Jahr von der CCC und anderen Unterzeichnern veröffentlichten Memorandum hervorgehoben wurde. „Für die Fortführung des Bangladesch-Abkommens ist es entscheidend, dass Arbeiter*innen und ihre Organisationen Beschwerden zu allen Themen sicher einreichen können, in der Gewissheit, dass Entscheidungen unabhängig getroffen werden“, so Rashadul Alum Raju, Generalsekretär der Bangladesh Independent Garment Union Federation (BIGUF).

„Alle 290 Marken und Einzelhändler, die das Abkommen unterzeichnet haben, sowie die unterzeichnenden Gewerkschaften haben ein Mitspracherecht bei der Durchführung des Programms. Sie sollten darauf drängen, dass dieses erfolgreiche Programm noch mehr Arbeiter*innen schützt, indem sein Geltungsbereich auf andere Betriebe ausgeweitet wird, die ihre Bekleidung verarbeiten, und dass ihre Arbeiter*innen vor Hitzestress geschützt werden sowie sichergestellt wird, dass die Abläufe des Abkommens frei von Einmischung durch Arbeitgeber*innen sind“, sagt Ineke Zeldenrust, Clean Clothes Campaign.


Aktionen in Bangladesch

Am 24. April gedenken die gewerkschaftlichen Partner*innen der CCC in Bangladesch derjenigen, die bei dem Einsturz ums Leben gekommen sind oder verletzt wurden. Sie fordern zudem die neu gewählte Regierung von Bangladesch auf, die Empfehlungen der Arbeitsreformkommission umzusetzen, die nach einem studentischen Aufstand, der die Regierung Hasina stürzte, ins Leben gerufen wurde. Dabei legen sie besonderen Wert auf die Bereiche Löhne, Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen sowie auf faire Arbeitsgerichte und ein gerechtes Rechtssystem.

Fragen zum Rana Plaza und Accord gerne an:

Aika-Maresa Fischbeck, Koordinatorin für Fallarbeit, fallarbeit@saubere-kleidung.de

Hinweise für die Redaktion:

Das Manifest der Clean Clothes Campaign für einen gerechten Wandel in der Modeindustrie wird nächste Woche (am 1. Mai) offiziell veröffentlicht.

Wir werden niemals vergessen.

Weitere Informationen zum aktuellen Stand der Maßnahmen zur Umsetzung des Abkommens in Fabriken in Bangladesch finden Sie hier.