Logo der Marke Hugo Boss an einer Gebäudewand, an der sich Wolken spiegeln

Warum weigert sich Hugo Boss, den Pakistan Accord zu erneuern?

Abschließbare Notausgänge, blockierte Fluchtwege: In pakistanischen Zulieferfabriken von Hugo Boss und LPP herrschen lebensgefährliche Zustände. Doch die beiden Konzerne verweigern die Verlängerung des Pakistan Accord, einem verbindlichen Abkommen für sichere Textilfabriken.

Zuerst die gute Nachricht: Gewerkschaftsverbände und Vertreter*innen von Modemarken haben sich darauf geeinigt, ihre Verpflichtung zum Pakistan Accord, ein Abkommen für Gesundheit und Sicherheit in der Textil- und Bekleidungsindustrie (kurz: Accord), in seiner gegenwärtigen Form für eine Dauer von einem Jahr (bis zum 31. Dezember 2026) zu erneuern – mit automatischer Verlängerung um weitere drei Jahre.

Die Clean Clothes Campaign (CCC), die das Abkommen als unabhängige Beobachterin mit unterzeichnet hat, begrüßt die hohe Beteiligungsrate. Gleichzeitig fordert sie die Marken, die noch unentschlossen sind, eindringlich auf, ihre Verpflichtung so bald wie möglich zu erneuern. Der Accord wurde am 1. Januar 2026 erneuert. Anfang Februar 2026 gab der International Accord for Health and Safety in the Textile and Garment Industry die Liste der Unterzeichner*innen des erneuerten Pakistan-Abkommens bekannt.

Hugo Boss weigert sich, den Pakistan Accord zu unterzeichnen

Von den 143 Marken, die die erste Fassung des Pakistan Accords unterzeichnet hatten, haben sich 100 erneut verpflichtet. Es wird erwartet, dass weitere folgen werden. Zwei Unternehmen, die ihre Verpflichtung noch nicht erneuert haben, sind LPP aus Polen (eine der Marken, die mit der Rana-Plaza-Katastrophe im Jahr 2013 in Verbindung gebracht wird) und Hugo Boss.

Handelsdaten zeigen, dass LPP in Pakistan mit über 100 Zulieferern zusammenarbeitet. Hugo Boss gibt laut seiner öffentlichen Zuliefererliste an, mit acht direkten Zulieferfabriken in Pakistan zusammenzuarbeiten. In vielen dieser Fabriken wurden von unabhängigen Inspektor*innen des Pakistan-Accords Sicherheitsinspektionen durchgeführt. Sie fanden: Hunderte lebensgefährliche Sicherheitsrisiken. Die Beseitigung dieser Mängel befinden sich in vielen Fabriken erst im Anfangsstadium.

Beispiel Hugo Boss: Beim Zulieferer Kamal Mills kritisierten die Sicherheitsfachleute ebenfalls abschließbare Tore sowie Lagerbestände, die die Fluchtwege blockieren.

Beispiel LPP: Die Inspektor*innen fanden beim Zuflieferer Mount Fuji Textiles zahlreiche abschließbare Tore. Das bedeutet, dass Arbeiter*innen im Gebäude eingeschlossen werden können, eine Flucht im Notfall wäre so unmöglich.

Zusammen mit unseren Kolleg*innen der internationalen CC fodern wir: Hugo Boss und LPP müssen sicherstellen, dass die identifizierten Risiken behoben werden – und dass ihre Zulieferer ausreichende Mittel haben, dies zu tun!

„Diese Marken haben es versäumt, ihre Verpflichtung zum Pakistan Accord innerhalb der vorgesehenen Frist zu erneuern. Damit beteiligen sie sich nicht an den notwendigen Maßnahmen des Accords, die der Verbesserung der Sicherheit in den Fabriken dienen – und verweigern so den Arbeiter*innen, die ihre Kleidung herstellen, sichere Arbeitsplätze“, sagt Nasir Mansoor von der National Trade Union Federation in Pakistan.

Im besten Fall haben die Arbeiter*innen in diesen Fabriken das Glück, dass eine andere Marke, die das Abkommen unterzeichnet hat, hier produziert und die Sicherheit garantiert. Im schlimmsten Fall verlieren die Arbeiter*innen den Schutz des Abkommens vollständig. Weil die Marken auf nachweislich unzuverlässige unternehmenskontrollierte Codes of Conducts und freiwillige Auditprogramme zurückgreifen.

Ikea, Decathlon & Wrangler: Arbeitsplatzsicherheit – egal?

Leider verlassen sich einige große Marken weiterhin auf diese schwächeren Alternativen. Ikea, Decathlon und Wrangler sind derzeit Ziel einer öffentlichen Kampagne der CCC, weil sie sich weigern, sich zum Accord zu verpflichten. Nun appelliert die CCC auch an Verbraucher*innen und Aktivist*innen: Fordert Hugo Boss und LPP auf, das Abkommen zu unterzeichnen und Verantwortung zu übernehmen.

Ineke Zeldenrust von der CCC erklärt: „Wir sind zutiefst besorgt darüber, dass einige Marken aus dem Abkommen aussteigen und sich damit ihrer Verantwortung entziehen. Es handelt sich um die schlimmste Form von Cut-and-Run: Diese Marken haben die Risiken erkannt, weigern sich aber dennoch, sie über einen vertrauenswürdigen und bewährten Prozess menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht zu beheben – einen Prozess, den das Abkommen bereitstellt. Dabei geht es keineswegs um kleine Marken mit wenigen Produktionsstätten. Potenziell sind Zehntausende von Arbeiter*innen betroffen.“

Accord, Pakistan, Unternehmensverantwortung

Ähnliche Beiträge