Georgien

Hintergrund

Die georgische Textilindustrie befindet sich hauptsächlich in der Region Adscharien, wo türkische Unternehmen Aufträge an georgische Nähereien weitervergeben. Ausserhalb von Adscharien gibt es nur wenige Bekleidungsfabriken, die sich in Tiflis und Kutaissi befinden. Die georgische Textil- und Bekleidungserzeugung hat eine lange Tradition, brach jedoch nach dem Ende der Sowjetunion zusammen. Die Folge war eine soziale Krise, die nach wie vor anhält. Die Arbeitslosigkeit wird auf über 50 % geschätzt. Viele Menschen sind offiziell selbstständig, üben aber in Wirklichkeit jede mögliche Art von informeller oder semi-formeller Tätigkeit aus. Neben der Subsistenzlandwirtschaft betreiben die Menschen alle möglichen„ökonomischen Tätigkeiten“, um der Armut zu entkommen. Geschätzte 65 % der erwerbstätigen Menschen sind „selbstständig“. Sie schönen die offizielle Arbeitslosenstatistik, haben aber keine sichere Beschäftigung. Es gibt in Georgien so gut wie keine alleinerziehenden Mütter, weil es praktisch unmöglich ist, sich als alleinerziehende Mutter zu erhalten.

Seit Juni 2013 ist ein Arbeitsrecht in Kraft, das einige grundlegende Bestimmungen beinhaltet, es gibt allerdings keine Arbeitsaufsicht und kein Arbeitsgericht. Es gibt kein verpflichtendes Sozialversicherungssystem und keine dreigliedrigen, sozialen Dialoge.

Seit der Einführung des Arbeitsrechts 2013 wurden einige Bestimmungen hinsichtlich Arbeitszeiten, Überstunden, Arbeitsverträgen und eine paritätische Kommission der Sozialpartner geschaffen. Diese paritätische Kommission funktioniert jedoch nicht. Die meisten Beschäftigungsbedingungen werden „im Einvernehmen mit den Beteiligten“ festgelegt. Infolgedessen existieren in der Bekleidungsindustrie keine Kollektivverträge.

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Anzahl Textil- & Schuhfabriken 2013
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Beschäftigte Bekleidungs- und Schuhindustrie 2016
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Gesetzlicher Mindestlohn 2013 (Existenzminimum)
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Lohn zum Leben 2013
Damit ich genug Zeit habe, mich um meine Familie und die landwirtschaft zu kümmern, muss ich jeden Tag um 5:30 Uhr aufstehen. Jeden morgen melke ich meine zwei Kühe und knete den Teig für das Brot, damit meine Schwiegermutter ihn später backen kann. Sie ist alt, aber sie kann immer noch backen und den Kindern zu essen geben, wenn ich bei der Arbeit bin. nachdem ich den Teig geknetet habe, kümmere ich mich um den Gemüsegarten und den Haushalt und bereite das Frühstück und das Abendessen für die Kinder vor. meine Schwiegereltern bekommen beide je 100 gel (42€) Rente, aber sie brauchen ihre gesamte Rente für ihre Medikamente. Das meiste Geld brauchen wir für Lebensmittel. obwohl ich zwei Kühe habe, von denen wir Milch, Butter und Käse bekommen, und frisches gemüse aus meinem garten, sind wir eine grosse Familie und brauchen 300 bis 400 gel (124 – 166€) im Monat für Lebensmittel.
Zitat einer Arbeiterin

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Kontakt

Bettina Musiolek

Bettina Musiolek

Referentin Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen + CCC-Koordinatorin für Osteuropa und Türkei

bettina.musiolek@einewelt-sachsen.de

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