Die Türkei

Hintergrund

Während der letzten 25 Jahre ist die türkische Bekleidungs- und Schuhindustrie beständig mit teilweise 20% Zuwachs pro Jahr gewachsen, dank relativ niedriger Lohnkosten, der Nähe zu Europa und des Zollunionsabkommens mit der EU. Eine der Bekleidung produzierenden Regionen im Südosten des Landes wirbt mit dem Slogan „Billiger als China“.

Eine echte Konkurrenz für China ist die Türkei aber auch, weil sie wegen der Verfügbarkeit von Rohmaterialien, insbesondere Baumwolle, die gesamte textile Kette bedient. Nach Beschäftigung und Export ist die Branche heute der führende Sektor der türkischen Wirtschaft. Zunehmend lassen türkische Hersteller in der gesamten euro-mediterranen Region sowie in Balkanländern und im Kaukasus produzieren.

Die Industrie zeichnet sich durch einen geringen Durchschnittslohn knapp über dem niedrigen Mindestlohn aus. Wichtigste Probleme sind die sehr schlechten Bedingungen für Gewerkschaften und die Verbreitung informeller Fabriken und Arbeitsplätze: geschätzt arbeiten 2,5 Millionen Menschen in der Branche, aber nur 1 Million sind registriert. Die Folgen informeller Beschäftigung sind fehlende Arbeitsverträge, Minderjährigkeit sowie Nichtzahlung von Sozialabgaben und Nichteinhaltung von Arbeitsschutzvorschriften durch Arbeitgeber*innen. Viele syrische Geflüchtete, darunter Kinder, arbeiten in den Fabriken unter diesen Bedingungen.

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Anzahl Textil- & Schuhfabriken 2014 (Quelle: CYS Türkei-Studie)
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Beschäftigte Bekleidungs- und Schuhindustrie 2014 (Quelle: CYS Türkei-Studie)
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Gesetzlicher Mindestlohn 2017 (Quelle: Wage Indicator)
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Lohn zum Leben 2016 (Familie)

Anmerkungen: Informationen aus der Türkei-Studie von Change Your Shoes 2017,
dem Länderdossier Türkei 2013, Wage Indicator und CIA Factbook 2017

„Als ich jünger war, vor zehn Jahren, wollte ich so gerne das Licht brennen sehen, wenn ich nach Hause komme. Jemand sollte da sein. Ich wäre hereingekommen und es wäre Leben im Haus gewesen, wie in meiner Kindheit. Die Einsamkeit war schwierig, aber ich habe mich daran gewöhnt. Die Einsamkeit ist immer noch schwierig – doch wenn ich Frau und Kinder hätte, würde ich Angst haben, sie nicht versorgen zu können.“
Fabrikarbeiter

Berichte

Kontakt

Bettina Musiolek

Bettina Musiolek

Referentin Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen + CCC-Koordinatorin für Osteuropa und Türkei

bettina.musiolek@einewelt-sachsen.de

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