Gewalt an Frauen in der bangladeschischen Bekleidungsindustrie

Studie zu sexueller Belästigung von Näherinnen in Textilfabriken: Gesetzgebung nötig, um Frauen am Arbeitsplatz zu schützen

Eine am heutigen internationalen Frauentag veröffentlichte Studie verdeutlicht das Ausmaß von Belästigung und Gewalt in der Textilindustrie in Bangladesch, der wichtigsten Branche des Landes. Der Bericht der Frauenrechtsorganisation FEMNET und ihres bangladeschischen Partners Bangladesh Center for Workers Solidarity (BCWS) zeigt, dass rund 75 Prozent der über 600 befragten Arbeiterinnen regelmäßig Opfer von sexueller Belästigung in den Fabriken werden. Dennoch treten Gewalt und Belästigung im Rahmen von Sozialaudits und anderen Standardinstrumenten für Fabrikinspektionen meist nicht zutage.

Die Frauen in Bangladesch sprechen nicht über Gewalt und Belästigung, das sind Tabuthemen. Daher gibt es sehr viele undokumentierte Fälle von gewalttätigen Übergriffen – auch am Arbeitsplatz”, sagt Kalpona Akter, Direktorin des BCWS. „Beschimpfungen und sexuelle Anzüglichkeiten sind in den Fabriken derart an der Tagesordnung, dass oft weder Arbeiterinnen noch Management dies überhaupt als Problem wahrnehmen.”

Ohne Problembewusstsein seitens des Fabrikmanagements fehlen auch geeignete Gegenmaßnahmen. Der Bericht identifiziert drei weitere Hauptursachen für Gewalt und Belästigung in Bekleidungsfabriken: Die Einkaufspraktiken internationaler Markenunternehmen, die einen hohen Produktionsdruck erzeugen und damit oft zu gewalttätigem Verhalten gegenüber Frauen führen, mangelnde Beschwerdemechanismen innerhalb der Fabriken und mangelnde Gesetzgebung zum Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt.

Protest von Arbeiterorganisation gegen sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz am 7.2.2020 in Dhaka. Foto: Taslima Akter

 

Die Unternehmen müssen Gewalt und Belästigung in ihren Fabriken proaktiv angehen, anstatt sie zu verstecken”, sagt Dr. Gisela Burckhardt, Vorsitzende von FEMNET. „Fabriken wie auch einkaufende Modemarken müssen eine Policy haben, die Gewalt und Belästigung klar verurteilt, Opfer schützt und diese ermutigt, Fälle zu melden.”

Die Autor_innen der Studie fordern die Regierungen Bangladeschs und Deutschlands dazu auf, internationale Standards zu ratifizieren und umzusetzen, um Frauen vor Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz zu schützen – etwa das im Juni 2019 verabschiedete ILO-Übereinkommen 190. Die deutsche Bundesregierung sollte zudem ein Lieferkettengesetz verabschieden, das Unternehmen verpflichtet, potenzielle Menschenrechtsverletzungen wie Gewalt und Belästigung in ihren Lieferketten zu analysieren, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und darüber zu berichten.

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Der Bericht ist das Ergebnis eines Kooperationsprojektes zwischen dem Bangladesh Centre for Workers Solidarity (BCWS) und FEMNET in Deutschland. Gemeinsam wollen sie Marken und Einzelhändler, Lieferanten sowie Arbeitnehmerrechtsorganisationen in Bangladesch an einen Tisch bringen, um einen nachhaltigen Dialog zu etablieren, wie Gewalt und Belästigung im Bekleidungssektor von Bangladesch gemeinsam bekämpft werden können.

Diese Studie basiert auf semistrukturierten Interviews mit 420 Textilarbeiter_innen in den Industriezentren von Ashulia, Rampura, Gazipur und Narayanganj, sowie acht Fokusgruppendiskussionen mit 105 Teilnehmer_innen und 10 Expert_inneninterviews sowie dreitägigen Gruppendiskussionen mit mehr als 200 Arbeiter_innen.

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