Auswirkungen der Corona-Krise: News aus Myanmar

Die Arbeiter*innen der Bekleidungsfabrik Myan Mode, die unter anderem für Mango und Zara produziert, haben sich erfolgreich gegen die systematische Entlassung von Gewerkschaftsmitgliedern unter dem Vorwand der Corona-Pandemie gewehrt. Nach einem zweimonatigen Streik sollen entlassene Arbeiter*innen wieder zu ihrer Arbeit zurückkehren dürfen.

Näheres dazu und andere wichtige Meldungen aus Myanmar hier im Überblick:

Impressionen aus dem Streiklager vor der Fabrik. Nachdem sie die Entschädigungszahlung abgelehnt hatten, protestierten knapp 70 Arbeiter*innen wochenlange gegen ihre Entlassung und systematische Diskriminierung von Gewerkschaftsmitgliedern. Foto: Federation of Garment Workers Myanmar

 

#Gewerkschaften

Vor knapp 2 Monaten hatte die Fabrik Myan Mode mit 571 Arbeiter*innen knapp die Hälfte ihrer Belegschaft entlassen. Auffällig war dabei, dass 520 dieser Arbeiter*innen der Gewerkschaft der Fabrik angehörten, während 700 andere, die nicht Mitglied der Gewerkschaft waren, ihre Arbeit behielten. Zahlreiche Arbeiter*innen von Myan Mode lehnten daraufhin die Entlassungen und die angebotenen Entschädigungszahlungen ab und errichteten Streiklager, um für ihre Wiedereinstellung zu protestieren. Nach dem wochenlangen Streik nun der Erfolg: 75 Arbeiter*innen, die sich an den Protesten beteiligt hatten, dürfen Anfang Juni und Juli ihre Arbeit wieder aufnehmen. Die restlichen der 571 entlassenen Arbeiter*innen sollen laut den Verantwortlichen wieder eingestellt werden, wenn sich die Auftragslage wieder verbessert.

Die Gewerkschaft Myan Mode ist eine der stärksten in der Bekleidungsindustrie des Landes, die sich in der Vergangenheit immer wieder lautstark für eine Verbesserung der Löhne und der Arbeitsbedingungen in der Fabrik stark gemacht hat. Für Gewerkschaftspräsident Maung Moe senden die offensichtlich diskriminierenden Entlassungen eine klare Botschaft: „Sie wollen unsere Gewerkschaft loswerden, unsere Stimmen loswerden, die Forderung loswerden, uns ein für alle Mal wie Menschen zu behandeln.“ In dem Artikel fügt er hinzu: „Sie sehen das Corona-Virus als Chance, damit durchzukommen.“

Die Fabrik ist dabei nicht die einzige, überall im Land werden Vorfälle bekannt, in denen Gewerkschaftsmitglieder scheinbar gezielt entlassen oder sogar inhaftiert worden sind. Bisher lag der Medienfokus hauptsächlich auf der Frage, ob Marken für bereits produzierte Aufträge bezahlen. Wenn jedoch immer häufiger Fabrikbesitzer die Corona-Pandemie als Vorwand nutzen, um Gewerkschaftstätigkeiten systematisch zu unterdrücken, könne dies laut einem Artikel der NY-Times ein weitaus größeres Problem darstellen.

Daher ist es umso wichtiger, dass die Proteste der entlassenen Arbeiter*innen Erfolg hatten. Das zeigt, dass Gewerkschaften weiterhin eine Stimme haben und verdeutlicht, wozu Solidarität unter den Arbeiter*innen und weiteren beteiligten Stakeholdern fähig ist. Es ist ein wichtiges Zeichen für andere, stark zu bleiben und sich weiter für ihre Rechte einzusetzen.

Die zuvor entlassenen Arbeiter*innen der Fabrik Myan Mode feiern den Erfolg ihrer Proteste. Ein wichtiges Zeichen aus Myanmar gegen die gezielte Unterdrückung von Gewerkschaftstätigkeiten. Foto: Federation of Garment Workers Myanmar

 

#Nothilfen

SMART Textile & Garments, ein von der Europäischen Union finanziertes Projekt für nachhaltige Herstellungsmethoden in der Bekleidungsindustrie in Myanmar, berichtet, dass über 15.000 Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie Nottransfers aus dem EU-Myan-Ku-Fonds erhalten haben. Selbst tief im Ayeyarwaddy-Delta lebende Arbeitnehmer*innen können mobile Geldtransfers erhalten. „Es hilft unserer Familie, unser Leben wie gewohnt fortzusetzen, obwohl die Arbeit eingestellt wurde“, erklärt eine Arbeiterin. Über 11.000 Frauen, die aufgrund von COVID-19-Problemen ihren Arbeitsplatz verloren haben oder vorübergehend beurlaubt wurden, haben diese Geldtransfers erhalten. Viele Anträge wurden von den Personalmanagern der Fabriken eingereicht, die versuchen, die Unterstützung für kürzlich gekündigte oder beurlaubte Mitarbeiter*innen zu koordinieren. Gewerkschaften haben auch Anträge von ihren Mitgliedern gesammelt und Hunderte von Arbeitnehmer*innen haben sich direkt bei der Hotline beworben, die unter der Woche täglich erreichbar ist.

 

Auf unserer Corona-Themenseite sammeln wir fortlaufend Beiträge aus unserem Netzwerk zur Corona-Pandemie und den Auswirkungen auf die Beschäftigten in den Produktionsländern.

Beitragsbild: Arbeiter*innen der Bekleidungsfabrik Myan Mode - Foto: Federation of Garment Workers Myanmar
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