Auswirkungen der Corona-Krise: News aus Kambodscha

Stornierungen und Aussetzungen von Bestellungen aufgrund der Corona-Pandemie haben dazu geführt, dass die Bekleidungsexporte in Kambodscha um 5 % im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind. Die Folgen sind verheerend: Laut Medienberichten haben etwa 450 Fabriken aus dem Bekleidungs- und Reiseartikelsektor ihre Produktion vorrübergehend eingestellt, während 83 Fabriken offiziell geschlossen wurden. Damit haben aktuell mehr als 150.000 Arbeiter*innen während der Krise ihren Job verloren.

Zahlreiche Textilarbeiter*innen fordern staatliche Unterstützung während der Corona-Krise. Foto: Central Cambodia

#Entlassungen

Medien zufolge haben Tausende von Arbeiter*innen aus 12 geschlossenen Bekleidungsfabriken protestiert, da deren Eigentümer ihnen weiterhin die noch ausstehenden Gehälter und Bonusleistungen schuldig sind. Nach Angaben des Zentrums für Allianz der Arbeit und der Menschenrechte beschäftigten die 12 inzwischen geschlossenen Fabriken fast 15.000 Arbeiter*innen. Sie warten seit März auf die Zahlung.

Insgesamt haben nach neuen Statistiken bereits mehr als 150.000 Arbeiter*innen in der Bekleidungsindustrie während der Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren. Fabrikbesitzer und Gewerkschaften forderten die Regierung auf, mehr zu tun, um die Industrie und ehemalige Textilarbeiter*innen zu unterstützen. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) prognostiziert, dass Kambodscha in diesem Jahr aufgrund der COVID-19-Pandemie insgesamt rund 390.000 Arbeitsplätze verlieren wird.

Ursprünglich hatte die Regierung angekündigt, 40 Dollar an alle in Zwangsurlaub gesendeten Textilarbeiter*innen zu zahlen, deren Arbeitgeber die zeitweise Aussetzung der Produktion dem Arbeitsministerium mitgeteilt hatten. Leider haben viele der Betroffenen die von der Regierung versprochene Zahlung noch immer nicht erhalten. Fotos: Central Cambodia

#Wanderarbeiter*innen

Medien zufolge zeigen neue Daten des Innenministeriums, dass die Coronavirus-Krise mehr als 100.000 Kambodschaner*innen innerhalb von drei Monaten aus Thailand zurückgedrängt hat. Khun Tharo, Programmmanager bei der Arbeitsrechtsgruppe CENTRAL, kritisierte in diesem Zusammenhang, dass kambodschanische Wanderarbeiter*innen, die in das Land zurückkehren, ohne effektivere Sozialversicherungsprogramme auf sich alleine gestellt sind – in einer Zeit, in der Arbeitsplätze ohnehin knapp geworden sind. Auch Moeun Tola, Exekutivdirektor des Zentrums für Allianz für Arbeit und Menschenrechte, hat deutlich gemacht, dass Wanderarbeiter*innen, die aufgrund der Krise aus Thailand nach Kambodscha zurückkehren, mit vielen Hindernissen konfrontiert sind, wie beispielsweise der Zahlung von Bestechungsgeldern an thailändische und kambodschanische Autoritäten. Als Reaktion darauf berichten Medien, dass die Vereinten Nationen 1 Million US-Dollar für ein gemeinsames Programm mit der kambodschanischen Regierung bereitgestellt haben, um die Rückkehr von Wanderarbeiter*innen in drei Provinzen (Battambang, Banteay Meanchey und Siem Reap) zu unterstützen. „Das Programm soll auch die Bereitstellung der notwendigen sozialen und wirtschaftlichen Dienstleistungen für die Wanderarbeiter*innen sicherstellen und zu den Bemühungen beitragen, die durch COVID-19 verursachten Auswirkungen auf diese anzugehen und zu bewältigen“, erklärte Innenminister Sar Kheng.

Vielerorts gibt es daher Proteste dagegen. Die Arbeiter*innen haben aktuell keinerlei Einkünfte und sind dringend auf die Hilfszahlung angewiesen. Foto: Central Cambodia

 


Auf unserer Corona-Themenseite sammeln wir fortlaufend Beiträge aus unserem Netzwerk zur Corona-Pandemie und den Auswirkungen auf die Beschäftigten in den Produktionsländern.

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