“Union-Busting” in Myanmar: Der Fall Rui Ning

Myanmars noch junge und schwache Gewerkschaftsbewegung wird unter dem Vorwand  von Covid-19 bedroht. Gezielt werden Gewerkschaftsführer*innenund Mitglieder entlassen um so die Arbeit von Arbeitnehmer*innenrechtsbewegungen zu untergraben.

Der Fall Rui Ning

Beteiligte Marken: Inditex (Zara), Mango, Bestseller (Only), Tally Weijl und Balala

Anfang April wurden 324 von 1.100 Beschäftigten entlassen – davon 298 Gewerkschaftsmitglieder, darunter der Gewerkschaftsvorsitzende. Auch der Präsident wurde unter verdächtigen Umständen mit Messern angegriffen. Es ist wahrscheinlich, dass die Angreifer mit der Fabrikleitung in Verbindung standen, um die Gewerkschaftsführenden einzuschüchtern und zu bedrohen. Als Reaktion auf Druck von außen gab die Unternehmensleitung am 5. Juni eine Erklärung über die Wiedereinstellung des Gewerkschaftsvorsitzenden ab. Anschließend zog die Unternehmensleitung die Erklärung jedoch zurück und weigert sich bis heute, den Gewerkschaftsführer wieder einzustellen. Auch versäumte die Unternehmensleitung den Konflikt bezüglich einbehaltener, aber rechtmäßiger Löhne zu lösen, sowie angemessene Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf Covid-19 zu ergreifen.

Die Gewerkschaft der Fabrik Rui-Ning, die der Federation of Garment Workers Myanmar angehört, übernahm eine zentrale Rolle in der Schaffung internationaler Aufmerksamkeit  und in Verhandlungen mit den Marken. Zusammen mit der Gewerkschaft der Fabrik Huabo Times schrieben sie einen offenen Brief an die Eigentümer von Inditex, Bestseller und Tally Weijl. An zwei Aktionstagen unterstützte die Clean Clothes Campaign (CCC) ihren Kampf in den sozialen Medien. Inditex erklärte sich schließlich am 2. Juli zu einer Sitzung  mit der Fabrikleitung und der Gewerkschaft bereit. Dieses Treffen zwischen Gewerkschaft, Fabrik und Inditex war der Schlüssel zu folgenden unterzeichneten Vereinbarungen:

  • Wiedereinstellung des Gewerkschaftsvorsitzenden zum 1. August, inklusive der Nachzahlung der nicht erhaltenen Löhne und Zuschläge.
  • Vorrecht von entlassenen Gewerkschaftsmitgliedern bei der Wiedereinstellung in die Fabrik.

Inditex, das seinerseits von der spanischen Gewerkschaft CCOO gedrängt wurde, übernahm eine führende Rolle in den Verhandlungen. Tally Weijl reagierte zwar in erster Instanz nicht, drehte aber schließlich nach einer groß angelegten Kampagne von Public Eye um und verpflichtete sich ebenfalls zu einem Treffen mit der Gewerkschaft.

Nach wie vor besteht die Notwendigkeit, die Umsetzung des Vereinbarungen zu überwachen, insbesondere die Klausel über die vorrangigen Wiedereinstellungen. Die Vereinbarung ist jedoch in ihrer Art neu und wir hoffen, damit einen Präzedenzfall geschaffen zu haben, bei dem die Marken direkt mit der Gewerkschaft bei ihrem Lieferanten zusammenarbeiten.

, , , , ,

Ähnliche Beiträge

Jetzt aktiv werden!

Es wurden keine Ergebnisse gefunden

Menü