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„Mit meiner Arbeit zur Transformation der Modeindustrie beitragen“

Jule Kautt ist ausgebildete Schneiderin, Modedesign-Studentin und Aktivistin in der Berliner Regionalgruppe der Kampagne für Saubere Kleidung. Sie hat ein Anti-Fashion-Manifest geschrieben, „als Zusammenfassung, als Provokation, als Aufruf”, wie sie sagt. Im Interview spricht sie über ihr Anti-Fashion-Manifest, Mode-Aktivismus und ihren Lieblingspullover.

Was hat dich motiviert, dein Anti-Fashion-Manifest zu schreiben?

Mode ist unter anderem die Suche nach dem Zeitgeist. Und der Zeitgeist sagt: Wir als Menschheit können uns den globalen Kapitalismus nicht länger leisten, wenn wir überleben wollen. Das ist die drängendste Aufgabe der Gegenwart. Die Modeindustrie muss ihren Teil dazu beitragen, indem sie sich grundlegend transformiert. In den letzten Jahren hat sich das Verantwortungsbewusstsein in der Branche erhöht, aber oft nur sehr oberflächlich. Denn sie basiert eben auf der kapitalistischen Logik der Ausbeutung, und auf vielen weiteren toxischen Annahmen, die es dringend zu hinterfragen gilt, damit eine echte Transformation gelingen kann. Deshalb musste ich ein Manifest schreiben, als Zusammenfassung, als Provokation, als Aufruf.

Wenn du morgen Modeindustrie-Chefin wärst, was würdest du als Erstes ändern?

Wenn ich morgen Chefin eines Modekonzerns wäre, würde ich natürlich als Erstes eine grundlegende Umstrukturierung im Sinne meines Manifest ausrufen – und dann beginnen, Transparenz in allen Lieferketten zu schaffen, um herauszufinden, wer eigentlich an der Entstehung der Produkte beteiligt ist und unter welchen Bedingungen. Darauf basierend würde ich dann zusammen mit allen Beteiligten Schritt für Schritt die Bedingungen verbessern, beginnend mit existenzsichernden Löhnen, und resultierend vielleicht in einer arbeiter*innengeleiteten Produktionsgenossenschaft … Es gäbe auf jeden Fall sehr viel zu tun!

Was ist dein Lieblingskleidungstück?

Mein Lieblingskleidungsstück ist ein schwarzer Wollstrickpullover, den meine Oma an meine Mutter weitergegeben hat und meine Mutter an mich. Ich trage ihn sehr oft und liebe ihn für seine Kombinierbarkeit durch Farbe und Schnitt, seine Wärme, und all die gestopften Stellen, die die Jahrzehnte an ihm hinterlassen haben.

Du bist auch Mitglied in der Berliner Regionalgruppe. Welche Mode-Aktivismus bezogene Erinnerung bleibt dir im Kopf?

Viele! Es ist ein wunderbares Gefühl, Gleichgesinnte zu treffen und von verschiedensten Aktivist*innen zu lernen. Ich glaube, das Beeindruckendste ist für mich die arbeiter*innenzentrierte, international vernetzte Herangehensweise der Kampagne für Saubere Kleidung. Wenn wir hier in Berlin eine Straßenaktion machen, zum Beispiel für die #PayYourWorkers-Kampagne, dann stehen wir da nicht nur aus eigener Überzeugung, sondern auch als Vertretung für Aktivist*innen am anderen Ende der Welt, die z. B. ihre Forderungen an deutsche Unternehmen richten.

Was nimmst du dir in diesem Jahr vor?

Es ist schwierig, sich zu entscheiden, für was man sich einsetzten will, wenn zusätzlich zu Klimakatastrophe, Krieg und Kapitalismus auch noch der Faschismus droht, aber ich denke, es hilft, sich auf das zu konzentrieren, was man am besten kann oder mit was man sich schon viel auseinandergesetzt hat. Ich werde also weiterhin versuchen, mit meiner Arbeit irgendwie zur Transformation der Modeindustrie beizutragen. Es wäre auch schön, wenn unsere Berliner Lokalgruppe mal wieder aktiver wird. Wir würden uns über neue Mitglieder freuen!

Jule Kautt ist ausgebildete Schneiderin, Modedesign-Studentin und Aktivistin in der Berliner Regionalgruppe der Kampagne für Saubere Kleidung. Sie hat ein Anti-Fashion-Manifest geschrieben, „als Zusammenfassung, als Provokation, als Aufruf”, wie sie sagt. Jetzt lesen

Eine junge Frau in schwarzem Pulli steht vor einer grauen Wand.

Beitragsbilder: © Jule Kautt

FASHIONING A JUST TRANSITION I GESTALTUNG EINES GERECHTEN WANDELS

Logo der Europäischen Union auf schwarzem Hintergrund. Danaben Text: "Kofinanziert von der Europäischen Union"

Zum Just Fashion Manifest arbeiten in Deutschland die Kampagne für Saubere Kleidung und das SÜDWIND-Institut zusammen. Das Manifest wird im Rahmen des Projekts „Fashioning a Just Transition“ verfasst, das von der Europäischen Union kofinanziert wird.

Der Inhalt liegt in der alleinigen Verantwortung der Clean Clothes Campaign und spiegelt nicht notwendigerweise die Ansichten der Europäischen Union wider.

Manifest, Regionalgruppe Berlin, Regionalgruppen

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