Pakistan:
Freiheit für Iqbal Abro!

Die Clean Clothes Campaign (CCC) verurteilt aufs Schärfste das gewaltsame Verschwindenlassen sowie die rechtswidrige Festnahme und Inhaftierung von Iqbal Abro auf der Grundlage fingierter Terrorismusvorwürfe. Iqbal Abro ist ein engagierter Gewerkschaftsaktivist der CCC-Partnerorganisation National Trade Union Federation (NTUF) in Pakistan. Wir fordern: Freiheit für Iqbal Abro!

Ein Mann steht an einem roten Rednerpult mit der Aufschrift "NTUF" und spricht in ein Mikrofon. Er trägt helle, traditionelle Kleidung und hat dunkle Haare sowie einen Bart. Hinter ihm hängt ein großes rotes Banner mit weißer Schrift, teilweise lesbar mit dem Wort „Conference“. Rechts im Hintergrund sitzen weitere Personen auf der Bühne. Die Szene wirkt wie eine politische oder gewerkschaftliche Veranstaltung.
Iqbal Abro bei einer öffentlichen Veranstaltung der NTUF in Pakistan (Foto: NTUF).

Update

06.02.2026 | Die gute Nachricht zuerst: Nach einer Gerichtsanhörung am 4. Februar 2026 wurde Iqbal Abro auf Kaution freigelassen. Die schlechte Nachricht: Die gegen den Gewerkschafter der NTUF Pakistan erhobenen haltlosen Vorwürfe wurden aufrechterhalten.

Wir fordern: Rücknahme der Anzeige gegen Iqbal Abro!

Markenfirmen kommt dabei eine besondere Verantwortung. So hatte unter anderem der auch in Deutschland aktive Konzern Inditex (Zara)  Geschäftsbeziehungen zum Produktionsbetrieb Towellers Limited unterhalten  – das legen uns vorliegende Handelsdaten nahe. Towellers Limited hatte die Anzeige gegen Iqbal Abro eingereicht. Markenunternehmen müssen einfordern und sicherstellen, dass Gewerkschafter*innen im Betrieb frei und sicher aktiv sein können.

Illegale Festnahme und Verschwindenlassen des Gewerkschafters Iqbal Abro

Iqbal Abro wurde am 9. Januar 2026 in der Korangi Industrial Zone in Karachi festgenommen, nachdem er entlassene Textilarbeiter*innen von Towellers Limited im Rahmen einer Solidaritätsaktion unterstützt hatte. Er wurde von der Polizei an einen unbekannten Ort gebracht. Sein Schicksal blieb zunächst unklar; weder seine Familie noch seine Anwältinnen konnten ihn erreichen. Vier Tage später wurde er von der Polizei einem Gericht vorgeführt, wo ein Verfahren wegen Terrorismusvorwürfen gegen ihn eingeleitet wurde. Iqbal Abro befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Iqbal Abro war aktiv an der Organisierung von Beschäftigten beteiligt, unter anderem beim Textilunternehmen Towellers Limited in Karachi, und erhob öffentlich seine Stimme gegen illegale Entlassungen, Einschüchterung und Ausbeutung von Arbeiter*innen. Ein Fokus seiner Arbeit bestand dabei auch auf den Arbeitsbedningungen in so genannten Sonderwirtschaftszonen, in denen die Durchsetzung von Arbeitsrechten und gewerkschaftliche Organisierung besonders schwierig ist.

Missbrauch von Anti-Terror-Gesetzen

Die gegen Iqbal Abro erhobenen schweren Vorwürfe – darunter Erpressung und angebliche Verbindungen zu verbotenen Gruppen – entbehren jeder Grundlage. Der Einsatz von Anti-Terror-Gesetzen gegen ihn ist zutiefst alarmierend. Er gibt Anlass zu ernsthaften Sorgen um die Sicherheit von Gewerkschafter*innen sowie um den schrumpfenden Handlungsspielraum für alle, die sich in Pakistan für Arbeitsrechte und demokratische Freiheiten einsetzen. Der Fall weist auf einen systematischen Missbrauch staatlicher Sicherheitsgesetze hin, um legitime gewerkschaftliche Arbeit zu kriminalisieren.

Die gezielte Verfolgung eines Gewerkschaftsaktivisten, der sich friedlich für Arbeitsrechte einsetzt, stellt einen direkten Angriff auf grundlegende Menschenrechte dar – einschließlich der Vereinigungs- und Meinungsfreiheit. Sie verletzt Pakistans Verpflichtungen aus internationalen Arbeitsnormen, insbesondere aus den ILO-Übereinkommen zur Vereinigungsfreiheit und zu Kollektivverhandlungen.

Mögliche Verbindung zu Lieferketten auch in Deutschland tätiger Marken und Einzelhändler

Was uns besonders besorgt: Iqbal Abro hatte sich für Arbeitsrechte in der Fabrik Towellers Limited eingesetzt. Öffentlich zugängliche Handelsdaten weisen darauf hin, dass Towellers Limited Teil internationaler Lieferketten ist, die mit großen Marken wie Inditex (Zara) und der italienischen Marke Teddy in Verbindung stehen. Marken und Einzelhändler dürfen nicht schweigen, wenn Arbeiterinnen und Gewerkschafterinnen in ihren Lieferketten Repression ausgesetzt sind. Das gilt auch in diesem Fall. Menschenrechtliche Sorgfaltspflichten von Unternehmen erfordern unverzügliches Handeln, sobald Gewerkschafter*innen wegen ihrer Arbeit verfolgt werden.

Iqbal Abro ist weiterhin in Haft

Nach seiner illegalen Verhaftung und seinem Verschwinden am 9. Januar konnte Iqbal Abro trotz anwaltlicher Anträge bei der Polizei, bei Gericht (Sindh High Court) und bei der Menschenrechtskommission Pakistans nicht ausfindig gemacht werden. Daraufhin protestierten Arbeiterinnen am 10. Januar 2026 friedlich vor dem Karachi Press Club. Anstatt die Verantwortlichen für die unrechtmäßige Festnahme zu ermitteln, bestehen erhebliche Hinweise darauf, dass hochrangige Beamte des Sicherheitsapparates versucht haben, die Täter*innen zu schützen und das illegale Vorgehen durch haltlose Anschuldigungen gegen Iqbal Abro nachträglich zu rechtfertigen.

Erst nach anhaltendem Druck von Arbeits- und Menschenrechtsorganisationen unternahmen die Behörden offenbar den Versuch, die rechtswidrige Inhaftierung nachträglich zu „legalisieren“: Nach vier Tagen illegalen Gewahrsams wurde eine fingierte Anzeige mit dem Datum vom 11. Januar registriert, seine bereits am 9. Januar erfolgte Festnahme rückwirkend auf den 12. Januar datiert und Iqbal Abro am 13. Januar einem Anti-Terror-Gericht vorgeführt. Er befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Diese Vorgänge legen nahe, dass staatliche Stellen gezielt gegen gewerkschaftliche Organisierung vorgehen und grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien bewusst außer Kraft gesetzt wurden.

 

Die CCC erklärt ihre volle Solidarität mit Iqbal Abro, seiner Familie, seinen Mitstreiter*innen und der gesamten Arbeiter*innenbewegung Pakistans.

Bedingungslose Freilassung von Iqbal Abro, jetzt!

Wir fordern: Iqbal Abro muss sofort und bedingungslos freigelassen werden. Die auf fingierten Anzeigen beruhende Anklage gegen ihn muss fallengelassen werden. Darüber hinaus müssen die Regierung Pakistans sowie ihre Justiz- und Sicherheitsorgane den systematischen Missbrauch von Anti-Terror-Gesetzen gegen Gewerkschafter*innen unverzüglich beenden.

Pakistans Justiz muss den Fall unabhängig aufklären

Darüber hinaus verlangen wir eine unabhängige und unparteiische Untersuchung des Falles, die die Umstände von Abros Verschwinden, seiner illegalen Inhaftierung, der mutmaßlichen Folter sowie das Handeln der beteiligten Amtsträgerinnen umfassend aufklärt. Die an den illegalen Vorgängen beteiligten Beamten müssen juristisch zur Rechenschaft gezogen werden.

Die CCC fordert zudem verbindliche Sicherheitsgarantien für Iqbal Abro, seine Familie, seine Rechtsvertretung und seine Gewerkschaftskolleg*innen sowie ein sofortiges Ende jeglicher Form von Belästigung, Einschüchterung und Überwachung von Arbeitsrechtler*innen und Gewerkschafter*innen durch staatliche Sicherheitsbehörden. Wir fordern die Regierung Pakistans, die Behörden der Provinz Sindh sowie die Strafverfolgungsinstitutionen auf, rechtsstaatliche Verfahren, verfassungsmäßige Rechte und internationale Verpflichtungen uneingeschränkt einzuhalten.

Marken und Einkäufer müssen ihre (menschen)rechtliche Verantwortung wahrnehmen

Zugleich appellieren wir an internationale Marken und Einkäufer, umgehend und öffentlich Schritte im Einklang mit verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln zu ergreifen, sobald sie von Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in ihren Lieferketten wie den vorliegenden erfahren: den Schutz von Arbeiter*innen und Gewerkschafter*innen aktiv einzufordern, Abhilfe zu unterstützen und sicherzustellen, dass kein Zulieferer von Repression und Rechtsbruch profitiert.

Freiheit für Iqbal Abro!
Der Angriff auf ihn ist ein Angriff auf uns alle!

Eilaktion, Gewerkschaftsrechte, Mode und Menschenrechte, Pakistan

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