Modemarken unterstützen Existenzlohn für Näher*innen in Bangladesch

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Am 29. August 2018 kam die zuständige Kommission zusammen, um den für Bangladesch gültigen Mindestlohn neu festzulegen. Im Vorfeld haben die Clean Clothes Campaign, das International Labor Rights Forum und das Maquila Solidarity Network große Marken, die in Bangladesch fertigen lassen, dringend aufgefordert, die Forderungen der Arbeiterschaft zu unterstützen. Die Forderungen umfassen u.a. einen Mindestlohn von 16.000 Taka (umgerechnet ca. 165 Euro), einen gesetzlichen Rahmen, um Lohnstufen und -erhöhungen zu regulieren und andere soziale Maßnahmen. Der Inditex Konzern, zu dem u.a. die Marken Zara und Bershka gehören, hat als erster öffentlich positiv reagiert.

Wie an den vielen öffentlichen Kundgebungen der letzten Monate deutlich abzulesen ist, genießt die Anhebung auf 16.000 Taka breite Unterstützung bei vielen Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Arbeitsrechtsgruppen wie dem IndustriALL Bangladesh Council (IBC), der alle Mitgliedsgewerkschaften des globalen Gewerkschaftsbundes IndustriALL vereint. Kürzlich sagte der Sprecher des IBC, Salauddin Shapon, der Presse:

„Bevor wir die Forderung nach 16.000 Taka formuliert haben, haben wir eine Studie durchgeführt, in der Lebenshaltungskosten, Gefahren der Inflation und die Mindestlöhne in anderen Produktionsländern berücksichtigt wurden.“

Während Marken sich bislang nur in direkter Korrespondenz geäußert hatten, hat Inditex nun eine Stellungnahme auf seiner Internetseite veröffentlicht:

„Wir glauben daran, das Arbeiter das Recht auf einen existenzsichernden Lohn haben, in Bangladesch und allen anderen Märkten, auf denen wir einkaufen. Deshalb erwarten wir, dass die kollektiven Forderungen der Beschäftigten, die von ihren rechtmäßigen Gewerkschaften, einschließlich dem IBC, zum Ausdruck gebracht wurden, beachtet werden und die laufenden Verhandlungen zu einer Einigung über eine faire Erhöhung des Mindeslohns genutzt werden, die das Recht auf einen Existenzlohn bewahrt.“

Ineke Zeldenrust von der CCC sagt dazu:

„Wir begrüßen diese Stellungnahme und auf Grundlage der Antworten der letztenTage gehen wir davon aus, dass andere führende Marken eigene Erkärungen zur Unterstützung der Beschäftigten herausgeben oder die Stellungnahme von Inditex öffentlich teilen werden.“

In den nicht öffentlichen Briefen verwiesen einige Marken auf den Bangladesh Accord on Fire and Building Safety und das Folgeabkommen Transitional Accord als Beweis für ihre Bereitschaft, weiter in Bangladesch produzieren zu lassen. Außerdem führten sie Ihre Mitgliedschaft in Organisationen wie der Fair Wear Foundation oder Initiativen wie dem deutschen Textilbündnis an, die eine Forderung nach existenzsichernden Löhnen schon aufgenommen hatten.

In Reaktion auf den vollkommen unzureichenden Vorschlag des Arbeitgeberverbandes Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association (BGMEA), den Mindestlohn von aktuell 5.300 taka auf 6.360 taka zu erhöhen, wurden folgen Firmen angeschrieben: Aldi, Abercrombie & Fitch, American Eagle, Benetton, C&A, Carrefour, El Corte Ingles, Esprit, GAP, H&M, HBC, Hugo Boss, Inditex, KiK, Levi’s, Li & Fung, Lidl, Marks & Spencer, Next, Primark, Sainsburys, Takko, Tesco, VF und Walmart.

Neben der Erhöhung des Mindestlohns forderten die Arbeitnehmerorganisationen eine Reduzierung von sieben auf fünf Lohnstufen, Beförderungskriterien, die jährliche Erhöhung des Mindestlohnes um 10 %, eine Begrenzung der Anlernphase auf max. 3 Monate und eine Erhöhung des Einstiegslohnes.

Die internationalen Arbeitsrechtsorganisationen fordern Unternehmen und Behörden in Bangladesch auf, dafür zu sorgen, dass diese Forderungen bald sowohl in der Gesetzgebung als auch auf den Lohnzetteln der Beschäftigten spürbar umgesetzt werden.

Schließlich werden auch die Bekleidungsmarken von so einer Regelung profitieren: Sie können von den Produkten aus Bangladesch eine deutlich höhere Qualität erwarten, wenn die Näher*innen nicht hungrig, gesundheitlich angeschlagen und ständig in Sorge darum sind, ob sie die Grundbedürfnisse ihrer Familien abdecken können, wie es bis jetzt der Fall ist.

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