Roshen Shanaka, vor acht Jahren getötet durch Polizeikugeln in Sri Lanka

Bis heute wartet die Familie auf einen Urteilsspruch – und auf Entschädigung

„Für Menschenrechte in der Textilindustrie“ ist der Titel der aktuellen Menschenrechtskampagne der Vereinten Ev. Mission (VEM), Mitträger der Kampagne für Saubere Kleidung. Im Rahmen dieser Kampagne wird u.a. auch ein Programm zur Stärkung von Textilarbeiterinnen in Sri Lanka unterstützt, hier geht es um gender – Gerechtigkeit, Recht auf Versammlungsfreiheit, Gesundheit und Arbeitsschutz, Netzwerk- und Lobbyarbeit, Recht auf menschenwürdige Unterkunft. Dietrich Weinbrenner, Beauftragter für nachhaltige Textilien in der Ev. Kirche von Westfalen und der VEM, hat kürzlich Sri Lanka besucht und hat eine Familie getroffen, deren Leben vor acht Jahren aus der Bahn geworfen wurde:

Sie berichten uns vom 31. Mai 2011, dem Tag, an dem ihr Sohn und Bruder Roshen Shanaka durch Polizeikugeln tödlich getroffen wurde. Roshen hatte an einer Demonstration von tausenden ArbeiterInnen in der „Freien Exportzone“ Katunayake teilgenommen. Sie wandten sich gegen Pläne der Regierung, die Arbeitgeber- und Arbeitnehmer – Spareinlagen unter ihre Kontrolle zu bringen, sie kämpften für die Erhaltung ihrer Pensionsrechte.

Roshen’s Grab. © Dietrich Weinbrenner

 

Morgens hatte er sein Elternhaus verlassen, mittags kam der Anruf eines Freundes: Roshen wurde von Polizeikugeln getroffen. Die Mutter und zwei Geschwister Roshens berichten, was dann geschah. Die Polizei hat den Verletzten sofort geborgen, ihn aber erst spät ins Krankenhaus gebracht, obwohl er viel Blut verlor. Dort wurde der Familie jeder Zugang zu ihm verwehrt. Zwei Tage später war Roshen tot.

Die Familie wurde danach vom Militär abgeschirmt, die Regierung wollte Protestaktionen verhindern. Jeder Kontakt mit Außenstehenden, besonders mit Medien, war ihr verboten. Ihr Haus wurde vom Militär „bewacht“, 2000 Soldaten „schützten“ den Beerdigungszug, sogar im Gottesdienst standen bewaffnete Sicherheitskräfte.

Acht Jahre sind seitdem vergangen. Immer wieder hat die Familie den Polizeibericht eingefordert, vergeblich. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, er wird immer wieder verschleppt. Die Familie von Roshen wartet seit acht Jahren auf Gerechtigkeit, auf Bestrafung der Schuldigen, auch wenn ihnen dies den Sohn und Bruder nicht zurück bringt.

Roshen’s Mutter und seine Geschwister. © Dietrich Weinbrenner

 

Leben und Gesundheit der ArbeiterInnen in den Fabriken der sog. „Billiglohnländer“ zählen nicht viel. Sie kennen oft ihre Rechte nicht, fühlen sich hilflos. Dies gilt auch für die ArbeiterInnen in Sri Lanka. Viele deutsche Unternehmen lassen hier produzieren, vor allem auch im Textilbereich, z.B. C&A, LIDL, Adidas, ALDI, Esprit. Die Unternehmen können nicht direkt die Politik in ihren Produktionsländern verändern. Aber sie können für menschenwürdige Arbeitsbedingungen sorgen und die Auftragsvergabe so gestalten, dass die ArbeiterInnen einen existenzsichernden Lohn bekommen.

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