Schließe Dich unserem Appell zur Corona-Krise an Modeunternehmen an!

Millionen von Arbeiter*innen in der Bekleidungsindustrie verlieren weltweit ihre Arbeit und ihr Einkommen - und riskieren Gesundheit und Leben.

Wir appellieren an die Modefirmen: Lassen Sie nicht die Arbeiter*innen für die Covid-19-Krise bezahlen!

Darum geht es

Jahrzehnte ausbeuterischer Arbeitsbedingungen haben die überwiegend weiblichen Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie in Armut gehalten. Die Fabrikschließungen und die Gesundheitsrisiken der Pandemie treffen die Arbeiter*innen, die meist ohne jegliche Ersparnisse in prekären Verhältnissen leben, mit voller Härte.

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Appell: Was wir von Modefirmen, Einzel- und Online-Händlern fordern
So trifft Covid-19 Arbeiter*innen in der Bekleidungsindustrie
Warum stehen Markenfirmen und Detailhändler in der Verantwortung?
Appell: Was wir von Modefirmen, Einzel- und Online-Händlern fordern

Wir stehen solidarisch an der Seite der Arbeiter*innen in den Lieferketten der Bekleidungs- und Schuhindustrie, die besonders hart von der Krise getroffen sind. Gemeinsam mit Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen der internationalen Clean Clothes Campaign fordern wir von Modefirmen sowie Einzel- und Online-Händlern in Deutschland und weltweit:

Lassen Sie nicht die Schwächsten in der Lieferkette für die Covid-19-Krise bezahlen!

  • Stornieren Sie keine Aufträge, zahlen Sie Ihre Lieferanten fristgerecht, stimmen Sie Bitten um Fristverlängerung zu und sanktionieren Sie keine Verzögerungen oder Produktionsausfälle.
  • Stellen Sie sicher, dass die Beschäftigten in Ihren Lieferketten nicht entlassen werden, dass ausstehende Löhne sofort bezahlt werden und dass alle Arbeiter*innen und Arbeiter während der gesamten Dauer der Krise weiter ihre gesetzlich vorgeschriebenen Löhne, Leistungen und eventuelle Abfindungszahlungen erhalten.
  • Egal ob in Fabriken, Logistik, Verkauf oder Zustellung: Die Sicherheit der Beschäftigten muss Vorrang haben. Setzen Sie den Betrieb nur fort, wenn Sie die Sicherheit und Gesundheit aller Beschäftigten gewährleisten können und die Empfehlungen der WHO für physischen Abstand, Hygiene und Schutzausrüstung umgesetzt werden.
  • Garantieren Sie, dass Beschäftigte sich ohne Sanktionen isolieren und zu Hause bleiben können, wenn sie oder Personen aus dem gleichen Haushalt zu Risikogruppen gehören oder Covid-19-Symtome haben. Achten Sie das Recht, Arbeit aufgrund von Risiken für Gesundheit und Leben zu verweigern.
  • Stellen Sie sicher, dass die Pandemie nicht als Vorwand für Rechtsverletzungen genommen wird, dass Arbeiter*innen nicht diskriminiert werden und garantieren Sie das Recht auf Kollektivverhandlungen und Gewerkschaftsfreiheit auch in der Krise.
  • Stellen Sie Menschen vor Profite: Zahlen Sie keine Dividenden oder Boni aus, wenn Beschäftigte entlassen werden oder ihre Löhne nicht erhalten.
  • Setzen Sie sich für Rettungspakete ein, die den Schwächsten zugutekommen. Hilfsmaßnahmen und Überbrückungskredite müssen bei den Arbeiter*innen in der gesamten Lieferkette ankommen und darauf abzielen, Beschäftigung und Lohnzahlungen aufrechtzuerhalten und bereits entlassene Arbeiter*innen wieder einzustellen.

Leisten Sie zudem Ihren Beitrag für eine gerechtere Modeindustrie nach der Pandemie:

  • Nehmen Sie Ihre Verantwortung zum Schutz von Menschenrechten in Ihren Lieferketten wahr und gestalten Sie Lieferketten nachhaltiger, gerechter und widerstandsfähiger gegenüber Krisen.
  • Sorgen Sie dafür, dass alle Beschäftigte existenzsichernde Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und Zugang zu Sozialleistungen haben.
So trifft Covid-19 Arbeiter*innen in der Bekleidungsindustrie

Die Armutslöhne in der globalen Bekleidungsindustrie führten schon vor der Krise zu prekären Lebensbedingungen und erlauben keine Rücklagen für Notsituationen. Der Verlust der Arbeit oder ausbleibende Lohnzahlungen bedeuten nun für viele Menschen unmittelbar Hunger und einen drohenden Verlust des Wohnraums.

Von den weltweiten sozialen und wirtschaftlichen Schockwellen der Covid-19-Pandemie sind die Arbeiter*innen in der globalen Textilindustrie gleich mehrfach betroffen:

  • Mit dem ersten Lockdown in China kam es in vielen Fabriken zu Engpässen bei den Rohstofflieferungen und viele Arbeiter*innen wurden nach Hause geschickt, oft ohne Lohn.
  • Als die Pandemie Europa erreichte, begannen einige Modemarken und Einzelhändler ihre Bestellungen zu stornieren, häufig ohne für bereits produzierte Waren zu bezahlen. Laut McKinsey haben sogar über die Hälfte aller Unternehmen die Lieferbedingungen erneut verhandelt, z.B. Preisnachlässe verlangt. Fabriken ohne finanzielle Reserven mussten aufgrund der Auftragsrückgänge und der geringeren Einnahmen schließen, und weitere Arbeiter*innen verloren ihre Jobs oder wurden vorübergehend ohne Einkommen nach Hause geschickt.
  • Als die Covid-19-Pandemie sich schließlich auch in den Produktionsländern auszubreiten begann, kam es zur Eindämmung der Pandemie vorübergehend zu Fabrikschließungen, wobei erneut Arbeiter*innen oft ohne Bezahlung und sichere Transportmöglichkeiten nach Hause geschickt wurden.
  • In Fabriken, die weiterhin produzieren oder nun die Produktion wieder aufnehmen, reichen die Sicherheitsmaßnahmen meist nicht aus, und Arbeiter*innen riskieren ihre Gesundheit und schlimmstenfalls ihr Leben.

Je schlechter die Arbeitsbedingungen, umso schlechter ist auch meist die Wohnsituation. Wanderarbeiter*innen leben z.B. oft auf engstem Raum in Gemeinschaftsunterkünften ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen. Frauen sind zusätzlich Mehrfachbelastungen und zusätzlichen Risiken ausgesetzt, da Haushalts-, Betreuungs- und Pflegearbeiten in vielen Haushalten auf Frauen abgewälzt werden.

Besonders bedroht sind auch jene, die jetzt für ihre Rechte eintreten oder Kolleginnen und Kollegen unterstützen. Leider werden die Pandemie und mit ihr verbundene Maßnahmen als Vorwand missbraucht, um Menschen zu diskriminieren und um gewerkschaftliche Rechte und Freiheiten einzuschränken, indem z.B. gewerkschaftlich organisierte Arbeiter*innen als erste entlassen werden.

Weitere Hintergründe findest Du hier, und Informationen zur aktuellen Situation in verschiedenen Ländern im Live-Blog der Clean-Clothes-Campaign, sowie auf unserer Corona-Themenseite.   

Warum stehen Markenfirmen und Detailhändler in der Verantwortung?

Ein massives Machtgefälle prägt die globalen Lieferketten der Modeindustrie: Markenfirmen und große Einzelhändler bestimmen, was verkauft und produziert wird, drücken Preise und Lieferzeiten bei ihren Lieferanten, entziehen sich aber zugleich ihrer Verantwortung für die Schattenseiten ihres Geschäftsmodells: Ausbeutung, Armutslöhne, prekäre Arbeitsbedingungen, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen.

Einige Modefirmen zahlen ihre Lieferanten erst drei Monate nach Lieferung der bestellten Waren. Sie nutzen dies nun, um unter dem rechtlich meist nicht haltbaren Vorwand der «höheren Gewalt» Bestellungen zu stornieren und sogar die Bezahlung fertiger Aufträge zu verweigern, so dass Fabrikbesitzer auf den Waren und den Kosten für Stoff und Arbeit sitzen bleiben. In Lieferketten, in denen Modefirmen und große Einzelhändler das Sagen haben, werden Kosten und Risiken weiter nach unten, auf Lieferanten und Dienstleister und letztendlich auf die Arbeiter*innen abgewälzt. Die meisten Fabrikbesitzer arbeiten mit geringen Gewinnmargen und verfügen nicht über ausreichende Barreserven oder Zugang zu Krediten, um die Beschäftigten während Fabrikschließungen oder bei niedriger Auslastung zu bezahlen, und um Phasen heftiger wirtschaftlicher Turbulenzen und Einbrüche zu überleben, wie wir sie aktuell in der Covid-19-Pandemie erleben. Ungeordnete Insolvenzen, Massenentlassungen, Lohnaussetzungen sind die Folge. 

Um Kosten zu drücken und Profite zu steigern haben die meisten Markenfirmen und Einzelhändler bewusst ihre Produktion an Standorten konzentriert, wo Armutslöhne, Gewerkschaftsunterdrückung und schlechte Sozialversicherungssysteme vorherrschen. Dies hat ihren Eigentümerfamilien, Aktionären und Managern über Jahrzehnte hinweg riesige Gewinne ermöglicht, während Arbeiter*innen und -arbeiter ausgebeutet wurden. Mit Löhnen, die nicht einmal zum Leben reichen, haben sie keine Chance, Rücklagen zu bilden, die die negativen Folgen der Krise wenigstens dämpfen könnten: Der Verlust von Arbeit und Einkommen bedroht unmittelbar die Existenz Millionen in Armut gehaltener Haushalte. Darum fordern wir Markenfirmen und Einzelhändler auf, sich nicht aus ihrer Verantwortung zu stehlen, sondern jetzt die Beschäftigten in ihren Lieferketten vor Arbeitsplatzverlust, Krankheit und Tod zu schützen.

Die Covid-19-Pandemie legt die tiefen Ungerechtigkeiten in der Bekleidungsindustrie offen.

Jetzt ist die Zeit für Veränderungen!

Unterzeichne den Appell an die Modefirmen und setze Dich mit uns gemeinsam für eine gerechte Bekleidungsindustrie ein, in der Mensch und Umwelt Vorrang vor Profiten haben.

Jetzt Appell unterzeichnen

Beitragsbild: Demonstration für Lohnzahlungen in Pakistan, Foto: NTUF
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