Auswirkungen der Corona-Krise: News aus Kambodscha

In Kambodscha haben laut Arbeitsministerium 237 Fabriken den Betrieb eingestellt. 110.000 Textilarbeiter*innen im ganzen Land haben infolgedessen ihre Arbeit verloren und kämpfen nun ums Überleben. Ansässige Fabrikbesitzer werden beschuldigt, die Covid-19-Pandemie als Vorwand zu nutzen, um gezielt Gewerkschaftsvertreter*innen von ihren Arbeitsplätzen zu vertreiben. 

Unter ihnen befindet sich Soy Sros, Präsidentin der örtlichen Gewerkschaft CUMW. Sie hatte in einem Facebook-Post die Entlassung von Arbeiter*innen, einschließlich einer schwangeren Frau, kritisiert und wurde anschließend verhaftet. 

Hier weitere wichtige Meldungen im Überblick:

#Löhne

Medien berichten, dass laut Arbeitsministerium 237 Fabriken im ganzen Land den Betrieb eingestellt haben. Infolgedessen haben 110.000 Textilarbeiter*innen ihre Arbeit verloren und kämpfen nun ums Überleben. Chan Ny, eine Arbeiterin von International Fashion Royal Co Ltd, erklärte, dass ihre Fabrik im April den Betrieb eingestellt, aber Anfang dieses Monats wieder aufgenommen habe. Letzte Woche gab die Fabrikleitung jedoch bekannt, dass sie es sich aufgrund fehlender Bestellungen nicht leisten könne, den Betrieb fortzusetzen oder Löhne zu zahlen. Daraufhin wurden 937 Arbeiter*innen entlassen. Das Unternehmen kündigte an, seine Maschinen zu verkaufen, um die Löhne für März, die Sozialleistungen für April und die Abfindungen nach der Schließung zu zahlen. Laut Bo Thet, einem Arbeitnehmer*innenvertreter, sitzen und schlafen die Arbeiter*innen jetzt täglich vor den Toren der Fabrik, um die Maschinen des Unternehmens zu bewachen. „Die Textilarbeiter*innen sind auf den Verkauf dieser Geräte angewiesen, um ihren geschuldeten Lohn und ihre Entschädigung zu erhalten“, erklärte er. 

Damit zusammenhängend berichten Medien von Kritik am staatlichen Unterstützungsprogramm für Textilarbeiter*innen. Die Unterstützung in Höhe von 70 USD gehe zwar an beurlaubte Arbeiter*innen, nicht jedoch an all jene, die aufgrund von Schließungen ihre Arbeitsplätze gänzlich verloren haben. Die Regierung wird aufgefordert, auch Mittel für Arbeitnehmer*innen bereitzustellen, die von ihren Fabriken entlassen wurden. „Arbeiter*innen, deren Verträge von Fabrikbesitzern beendet wurden, haben noch größere Schwierigkeiten als die beurlaubten Arbeiter*innen, weil sie keine Sozialleistungen erhalten haben und jetzt keine Arbeit finden“, sagte Pav Sina, Präsident der kollektiven Gewerkschaft der Arbeitnehmer*innenbewegung (CUMW).

Über 600 Arbeiter*innen der Fabrik Quality Textiles in Phnom Penh fordern die Auszahlung ihrer Löhne der letzten beiden Monate. Foto: Central Cambodia

#Gewerkschaften

Medienberichten zufolge werden ansässige Fabrikbesitzer beschuldigt, unter dem Deckmantel weit verbreiteter Kündigungen aufgrund der Covid-19-Pandemie, Gewerkschaftsvertreter*innen von ihren Arbeitsplätzen zu vertreiben. 

Soy Sros, Präsidentin der örtlichen Gewerkschaft CUMW in Superl Cambodia, wurde verhaftet und wegen eines Facebook-Posts inhaftiert, in dem sie die Entlassung von Arbeiter*innen, einschließlich einer schwangeren Frau, während der Coronavirus-Krise kritisiert. Sie befindet sich weiterhin in Haft und ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich kontinuierlich. IndustriALL hat eine Kampagne gestartet, um ihre Freilassung zu fordern. 

Preap Monysovann, Generalsekretär der Kollektiven Gewerkschaft der Arbeitnehmerbewegung (CUMW), sagte, dass seit Beginn des COVID-19-Ausbruchs mehr als 1000 ihrer Vertreter*innen und Mitglieder entlassen worden seien.

Arbeitnehmer*innenvertreter Mr. Sambath unterstützt die Demonstrationen der Arbeiter*innen vor Ort. Foto: Central Cambodia

#Wanderarbeiter*innen

Laut Medien versuchen Dutzende kambodschanischer Wanderarbeiter*innen auf der Suche nach Arbeit seit Tagen, die Grenze nach Thailand zu überqueren, obwohl diese gesperrt ist. Provinzgouverneur Oum Reatrey sagte gestern, dass es ungefähr 10 Arbeiter*innen gelungen sei, die Grenze zu überwinden, während 90 andere bei dem Versuch gefasst wurden. Soum Chankea, Provinzkoordinator der Bürgerrechtsgruppe Adhoc, erklärte, dass Arbeitnehmer*innen die Grenze überschreiten, weil sie in Kambodscha keine Arbeit haben und Einkommen verdienen müssen, um ihre Familien zu ernähren. „Ja, Wanderarbeiter*innen überqueren die Grenze immer noch illegal, obwohl sie wissen, dass die thailändischen Behörden sie gesperrt haben. Wir sind wirklich besorgt, dass sie inhaftiert oder von thailändischen Soldaten erschossen werden, weil sich Thailand immer noch im Ausnahmezustand befindet“, ergänzt Chankea besorgt.  

 

Auf unserer Corona-Themenseite sammeln wir fortlaufend Beiträge aus unserem Netzwerk zur Corona-Pandemie und den Auswirkungen auf die Beschäftigten in den Produktionsländern.

Beitragsbild: Demonstration für Lohnzahlungen, Phnom Penh, Kambodscha - Foto: Central Cambodia
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