Fashion Checker-Relaunch: Keine Garantie für gleichen Lohn während der Pandemie

06.10.2021. Wie neue Daten von Fashion Checker zeigen ist Transparenz weiterhin der Schlüssel um Modeunternehmen zur Verantwortung zu ziehen, wenn sie von Arbeiter*innen, Gewerkschaften und Aktivist*innen aufgefordert werden, ihre Arbeiter*nnen während der Pandemie nicht in Not und Verzweiflung zurück zu lassen

  • Alle untersuchten Modeunternehmen garantieren immer noch nicht, dass die Arbeiter*innen in ihrer Lieferkette auch während der Pandemie den gleichen Lohn wie vor der Pandemie erhalten – geschweige denn einen existenzsichernden Lohn – obwohl sie versprochen haben, Arbeitsrechte in ihren Lieferketten zu respektieren.
  • Fashion Checker zeigt den Nutzer*innen die Kluft zwischen einem existenzsichernden Lohn und den pro Fabrik gezahlten Löhnen.
  • Die Daten vom Fashion Checker bestätigen die Notwendigkeit einer verbindlichen Vereinbarung, wie von der globalen Pay Your Workers-Koalition gefordert. Diese ruft Modeunternehmen auf, eine Lohn-Versicherung zu unterzeichnen, und fordert:  #PayYourWorkers.

Viele Modeunternehmen machen Versprechungen und behaupten, die Rechte der Arbeitnehmer zu respektieren und existenzsichernde Löhne zu zahlen, aber ohne Transparenz bleiben es nur Behauptungen.  Arbeitnehmer*innen, Gewerkschaften und Organisationen der Zivilgesellschaft können so die Modeunternehmen für ihre Versprechen nicht zur Rechenschaft ziehen.

„Modeunternehmen müssen aufhören, ihre Lieferketten zu verstecken. Ihre Kleidung wird von echten Menschen hergestellt, die oft am stärksten von der Pandemie betroffen sind. Wenn gegen Arbeitnehmer*innenrechte verstoßen wird, müssen sie wissen, wo sie Abhilfe bekommen können. Und Verbraucher*innen haben das Recht zu erfahren, wo und wie die Kleidung hergestellt wird“ – Paul Roeland, Transparenzkoordinator, CCC.

60 % der Modemarken halten die Verpflichtung zur Transparenz nicht ein

Die aktualisierten Fashion Checker-Daten, die in Zusammenarbeit mit Fashion Revolution erhoben wurden, konzentrieren sich speziell auf die Transparenz und offenbaren eine beunruhigende Wahrheit: Eine enttäuschend große Anzahl von Modemarken tut immer noch nichts oder nur sehr wenig für Transparenz in den Lieferketten. 159 Marken (60 %) erhalten eine 1- oder 2-Sterne-Bewertung, was bedeutet, dass sie die eingegangene Verpflichtung zur Transparenz nicht einhalten. Nur 46 von 264 Marken (17 %) erhalten fünf Sterne, was bedeutet, dass sie zusätzliche Informationen über ihre Lieferkette offenlegen – zum Beispiel, ob es am Arbeitsplatz eine Gewerkschaft gibt oder nicht.

Während den Modeunternehmen auch die Möglichkeit eingeräumt wurde, die CCC über Änderungen zu informieren, die sich auf ihre Living Wage-Bewertungen auswirken, wurden sie nicht speziell zu ihren Lohnverpflichtungen und zur Zahlung des existenzsichernden Lohns während der Covid-19-Pandemie befragt, da sie Berichten zufolge nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn oder Löhne aus der Zeit vor der Pandemie zahlen. Derzeit geben nur 5 Modeunternehmen an, dass sie zumindest einem Teil der Arbeitnehmer in ihren Lieferketten existenzsichernde Löhne zahlen. Die mangelnden Fortschritte bei der Zahlung existenzsichernder Löhne werden während der Pandemie besonders deutlich, als die Arbeiterinnen und Arbeiter*innen auch noch den Preis der Pandemie zahlen müssen, obwohl die Modeunternehmen die Arbeiterinnen und Arbeiter seit Jahrzehnten unterbezahlt haben. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Bekleidungsindustrie konnten bisher schon nichts ansparen und lebten im Grunde von der Hand in den Mund, aber während der Pandemie führte das zu einer lebensbedrohlichen Notlage.

#PayYourWorkers: grundlegende Arbeitsrechte achten

Beispielsweise wurden den Arbeitnehmern in Kambodscha während des landesweiten Lockdowns im April und Mai 2021 geschätzte 109 Millionen US-Dollar an Löhnen vorenthalten.  Die CCC schätzt, dass sich weltweit im Jahr der Pandemie, von März 2020 bis März 2021, Schulden gegenüber den Arbeitern und Arbeiterinnen in Höhe von mindestens 11,85 Milliarden US-Dollar angesammelt haben.

„Ich muss monatlich meine Schulden, Wasser- und Stromrechnungen bezahlen, aber mein Lohn reicht nicht aus. Ich möchte keine höher gesteckten Produktionsziele, während die Zahl der Arbeiter*innen um sie zu erreichen, abnimmt. Wir haben nicht genug Einkommen, um unsere grundlegenden Lebenshaltungskosten zu bezahlen“, sagte ein Arbeiter aus Kambodscha, der für Primark produziert.

Die PayYourWorkers-Kampagne fordert alle Bekleidungsunternehmen und -einzelhändler auf,  eine verbindliche Vereinbarung zu unterzeichnen, die zum einen diese Schulden an die Arbeiter*innen, und zum anderen, die Verpflichtung grundlegende Arbeitsrechte gemäß den IAO-Übereinkommen zu achten, abdeckt. Das Ziel der CCC ist zunächst die Zahlung durch die Modeunternehmen von ausstehenden Löhnen und Abfindungen sicherzustellen, darüber hinaus gilt ein existenzsichernder Lohn in der gesamten Lieferkette der Bekleidungsindustrie als wichtiges Ziel.

Hinweise für Redaktionen

  • Der Fashion Checker ist ein Projekt von Mitgliedern der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign, CCC)
  • Die Kampagne für Saubere Kleidung setzt sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Stärkung der Arbeitnehmer in der globalen Bekleidungsindustrie ein. CCC unterhält nationale Kampagnen in 15 europäischen Ländern und verfügt über ein weltweites Netzwerk von 250 Organisationen.
  • Weitere Informationen unter www.cleanclothes.org
  • Kontakt: sina.marx[ät]femnet.de

 

The „Filling the Gap: Achieving Living Wages through Improved Transparency“ Project is co-funded by the European Union.

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