Am 11. September 2025 jährt sich der tödliche Brand bei Ali Enterprises in einer pakistanischen Bekleidungsfabrik zum 13. Mal. Über 250 Arbeiter*innen starben in einer Fabrik, die nur wenige Wochen zuvor von Sozialauditoren als sicher zertifiziert worden war. An diesem Tag erinnern wir an die Tragödie ihres Todes und an das Leid ihrer Familien. Wir bekräftigen unser Engagement, unseren Kampf für sichere Fabriken in Pakistan und überall sowie für menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Textilarbeiter*innen weltweit fortzuführen.
Der Brand bei Ali Enterprises machte deutlich, wie wenig die globale Bekleidungsindustrie das Leben von Arbeiter*innen achtet und welche tödlichen Folgen die Abhängigkeit von einer Sozialaudit-Industrie hat, die den Interessen von Marken und Zulieferern dient. Es brauchte fünf Jahre Kampagnenarbeit, bis die Familien Entschädigungen in Form von lebenslangen Renten für den Einkommensverlust erhielten. Es dauerte über zehn Jahre, bis das bewährte, verbindliche Sicherheitsabkommen – das Internationale Abkommen für Gesundheit und Sicherheit in der Textil- und Bekleidungsindustrie (Accord) – nach Pakistan gebracht wurde. Und trotz über eines Jahrzehnts an Kritik dominiert die Sozialaudit-Industrie noch immer das Lieferkettenmanagement der meisten Marken.
Marken stellen Profite über das Leben ihrer Arbeiter*innen
„Dreizehn Jahre nach der Baldia-Fabriktragödie zeigt das Fehlen sicherer Arbeitsbedingungen – insbesondere in Textil- und Bekleidungsfabriken –, dass Marken und ihre lokalen Zulieferer ihre Profite über das Leben der Arbeiter*innen stellen“, sagte Nasir Mansoor, Generalsekretär der National Trade Union Federation in Pakistan (NTUF).
„Nur zwei Tage vor dem Jahrestag der Tragödie brachen in Karatschi, der größten Industriestadt des Landes, Brände in zwei Fabriken aus, die zum Einsturz der Gebäude führten. Zum Glück befanden sich zu diesem Zeitpunkt keine Arbeiter*innen darin. Solche Vorfälle erfordern konkrete Maßnahmen, um Arbeitsplätze wirklich sicher zu machen. Doch die Regierungen bewegen sich in die entgegengesetzte Richtung – ein enttäuschendes Beispiel sind die jüngsten Änderungen am deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz“, fügte er hinzu.
Klimakrise: Hitzewellen und Überschwemmungen
Das Abkommen, das 2023 in Pakistan seine Arbeit aufnahm, hat die Gefahren der pakistanischen Bekleidungs- und Textilindustrie erkannt und bereits Hunderte von Fabriken inspiziert und Sanierungen angeordnet. Da das Länderprogramm in diesem Jahr neu verhandelt wird, ist es wichtig sicherzustellen, dass die Gefahren der Klimakrise – die durch Hitzestress und Überschwemmungen die Gesundheit und das Leben der Arbeiter*innen bedrohen – im neuen Programm berücksichtigt und aktiv überprüft werden. Pakistan ist gefährlichen Hitzewellen und Überschwemmungen ausgesetzt, die durch die Klimakrise verursacht werden, und die Arbeiter*innen sind am stärksten betroffen. Zudem ist es von höchster Bedeutung, dass alle erfassten Stofffabriken ohne Verzögerung aufgelistet und inspiziert werden.
„Es ist zwingend erforderlich, Mechanismen wie das Pakistan-Abkommen zu stärken, um die Arbeitssicherheit zu gewährleisten und den Weg für Gesetzgebung auf nationaler wie internationaler Ebene zu ebnen“, sagte Mansoor (NTUF).
Wrangler, IKEA und Amazon: #SignTheAccord!
Es ist unbegreiflich, dass so viele Jahre nach diesem tödlichen Brand und den Massenopfern in Bangladesch 2013, – deutliche Folgen der Fahrlässigkeit in Lieferketten – immer noch Marken behaupten, ihre eigenen, auf Sozialaudits beruhenden Prozesse seien ausreichend, um Arbeiter*innen zu schützen. Marken mit Textil- oder Bekleidungsproduktion in Pakistan, die das Internationale Abkommen nicht unterzeichnet haben, sind unter anderem Kontoor Brands (Lee, Wrangler), IKEA, Decathlon und Amazon. Wir fordern sie auf, das Abkommen unverzüglich sowohl für Pakistan als auch für Bangladesch zu unterzeichnen.
„Dreizehn Jahre nach dem Ali-Enterprises-Brand sehen wir immer noch, dass Marken sich weigern, Verantwortung für das Leben und die Sicherheit von Arbeiter:innen zu übernehmen. Das ist inakzeptabel. Arbeiter*innen verdienen sichere Arbeitsplätze, würdige Bedingungen und Gerechtigkeit. Wir rufen alle Marken, die aus Pakistan beziehen, dazu auf, das Internationale Abkommen sofort zu unterzeichnen und die Sicherheit der Arbeiter*innen über Profite zu stellen“, sagte Khalid Mahmood, Direktor der Labour Education Foundation.
Dreizehn Jahre später ist der 11. September ein schmerzhafter Tag, den wir nicht unmarkiert verstreichen lassen wollen. Es ist ein Tag, an dem wir unsere Solidarität mit den Textil- und Bekleidungsarbeiter*innen in Pakistan bekräftigen und unser Engagement erneuern, Marken für die Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten zur Verantwortung zu ziehen – im Gedenken an jene, die aufgrund ihrer Fahrlässigkeit gestorben sind.
Beitragsbild: © Amar Guriro






