Bisher können öffentliche Aufträge nur schwer den konkreten Produktionsstätten im Globalen Süden zugeordnet werden. Weder gibt es dazu Statistiken, noch werden diese Informationen bis dato regelmäßig in Ausschreibungen erfragt. Schockierend ist daran, dass menschenrechtliche Sorgfaltspflichten dann eigentlich nicht wirklich erfüllt werden können: Wer unsichtbar bleibt, kann leicht ausgebeutet werden. Was brauchen öffentliche Einkäufer*innen, um das zu ändern?
Rechtssichere Musterformulierungen für Transparenz
Transparenz ist kein Nice-to-have – sie ist eine notwendige Voraussetzung, damit Nachhaltigkeitskriterien richtig wirken. Um die Risiken in Lieferketten adäquat beurteilen zu können, sollten öffentliche Behörden ab sofort möglichst flächendeckend Transparenzanforderungen stellen.
Die FEMNET-Handreichung bietet dazu das nötige Handwerkszeug:
juristisch geprüfte Musterformulierungen
konkrete Nachweismöglichkeiten
eine starke Argumentationsbasis mit Datenerhebung
Datenerhebung: Pakistan ist wichtigstes Textilproduktionsland
Um herauszufinden, woher öffentlich genutzte Textilien stammen, hat FEMNET in einer aufwändigen Datenerhebung Vergabestatistiken mit Zoll- und Handelsdaten (TED, Trade Atlas, Open Supply Hub) abgeglichen. Ergänzt wurde dies durch Expert*innengespräche mit Kommunen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Aufgrund der schwierigen Datenlage handelt es sich um eine nicht-repräsentative Annäherung, dennoch zeichnet sich ein klares Bild: Hochrisikoländer, allen voran Pakistan, beliefern die öffentliche Hand in Deutschland.
Untersuchungen in Schweden, Spanien und Großbritannien kommen zu dem gleichen Ergebnis. Die Datenlage unterstreicht: Es besteht dringender Handlungsbedarf.
Transparenz einfordern und Daten mit EU-Behörden teilen
Kurzfristig lohnt sich die Integration von Transparenzanforderungen in Textilvergaben, denn so können Beschaffungsstellen ihre Nachhaltigkeitskriterien sinnvoll darauf abstimmen. Wer sich bei der nachhaltigen Textilbeschaffung gerade erst auf den Weg macht, kann so die Produkte identifizieren, die aufgrund ihrer Herkunft besonders risikobehaftet sind.
Mittelfristig könnte die Datenabfrage dadurch vereinfacht werden, wenn die Daten zentral (und nicht öffentlich) auf EU-Ebene gesammelt würden. Das können Kommunen auch selbst einfordern, zum Beispiel bei DG GROW bei der EU-Kommission.
Monitoring im öffentlichen Auftrag: Auf dem Weg zu Textile Watch
Längerfristig kann Transparenz dazu beitragen, den Textileinkauf zu vereinfachen: Wenn Kommunen ihre wichtigsten Produktionsländer und -standorte kennen (Konfektion, Färberei etc.), könnten sie sich zusammenschließen und das Monitoring in Produktionsländern selbst beauftragen. Electronics Watch macht im IT-Sektor vor, wie eine unabhängige Monitoring-Organisation im öffentlichen Auftrag wirkungsvoll Arbeitsbedingungen kontrollieren und im Fall von Verstößen vermitteln kann.
Die bisherige Siegel-Vielfalt im Textilsektor überfordert viele einkaufende Stellen – und Sozialaudits, die Fabrikkontrollen, die ihnen meist zugrunde liegen, haben strukturelle Schwächen. Doch Siegel sind nicht alternativlos. FEMNET ist bereits mit weiteren europäischen Kommunen, Universitäten und NGOs im Austausch, um ein „Textile Watch“ auf den Weg zu bringen. Interessierte Kommunen können sich bei unserer Mitgliedsorganisation FEMNET melden.
Beitragsbild: © KI-generiert






