Die Opfer von Rana Plaza erhalten endlich ihre Entschädigung

Der Rana Plaza Entschädigungsfonds wurde durch eine anonyme Spende vollständig auf das Ziel von 30 Millionen US-Dollar aufgefüllt. Die Kampagne für Saubere wertet dies als Erfolg des anhaltenden Protestes der Öffentlichkeit.

Seit dem Fabrikeinsturz im April 2013 hat die Kampagne für Saubere Kleidung gefordert, dass Marken und Einkäufer Entschädigungen an die Opfer bereitstellen sollen. Über eine Million KonsumentInnen in ganz Europa und weltweit haben sich an den Aktionen beteiligt, damit die Firmen, die in einer der fünf Fabriken im Gebäude von Rana Plaza produzieren ließen, Verantwortung übernehmen. Der öffentliche Druck führte letztlich zu den Einzahlungen in den Fonds. Zum zweiten Jahrestag des Unglücks fehlten dem Fonds noch 2,4 Mio US-Dollar, um die benötigten 30 Mio US-Dollar zu erreichen. In den letzten Tagen ist eine große Einzahlung erfolgt, sodass die Zielsumme erreicht wurde.

“Auf diesen Tag haben wir lange gewartet und hingearbeitet. Wenn nun alle Familien, die von diesem Unglück betroffen sind, das Geld erhalten, das ihnen zusteht, können sie sich endlich darauf konzentrieren, ihr Leben wieder aufzubauen. Dies ist ein großer Moment für die Gerechtigkeit“, sagt Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung.

Berndt Hinzmann von der Kampagne für Saubere Kleidung sieht darin die Einflussmöglichkeit der Öffentlichkeit: „Dies wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung der vielen Bürgerinnen und Bürger, die in den letzten zwei Jahren anhaltend die Forderungen der Opfer unterstützt haben. Dies ist ein Beweis dafür, dass solidarisches Handeln etwas verändern kann und Menschen in Deutschland und Europa sich dafür interessieren, wer ihre Kleidung hergestellt hat und ob die Menschenrechte sowie Sicherheitsstandards eingehalten werden. Politische Rahmenbedingungen zugunsten der Menschenrechte bei der Arbeit und klare Worte erzielten ebenfalls positive Wirkung.“

Der freiwillige Rana Plaza Entschädigungsfonds wurde im Januar 2014 von der ILO (International Labour Organisation), gegründet, um in transparenter Weise den Familien und Hinterbliebenen sowie den Opfern der Katastrophe eine Entschädigung zukommen zu lassen. Die Entschädigung dient als Ausgleich für den Einkommensverlust und zur Deckung der Kosten für die medizinische Behandlung.

Die Opfer von Rana Plaza brauchen weiterhin Unterstützung. Die Menschen sind ein Leben lang geschädigt, da Unternehmen ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen waren. Sie verlangen eine Anerkennung und weitere Entschädigung ihres Leidens über die Zahlungen des Entschädigungsfonds hinaus.

Die Kampagne für Saubere Kleidung fordert eine Gesetzgebung, sodass die Opfer zukünftiger Unglücke schneller Unterstützung erfahren. Sie begrüßt daher eine neue Initiative der ILO, in Bangladesch ein nationales Programm für Unfälle am Arbeitsplatz für die 4 Millionen Beschäftigten im Textilsektor zu entwickeln. Europäische PolitikerInnen und Regierungen haben die Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass Firmen und Händler in Zukunft zur Verantwortung gezogen werden können.

Berndt Hinzmann, Kampagne für Saubere Kleidung: „Wir müssen nun sicherstellen, dass es verbindliche Instrumentarien gibt, dass Entschädigungen, Haftung und Sorgfalt von Firmen und Händlern in Zukunft selbstverständlich sind – und nicht erst dann einsetzen, wenn öffentlicher Druck es unmöglich macht, weiter untätig zu bleiben“.

Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung ergänzt:“Die komplette Auffüllung des Fonds ist ein großer Sieg – aber wir haben eindeutig zu lange auf ihn warten müssen. Dass Unternehmen mit einem addierten jährlichen Gewinn von über 20 Millarden US-Dollar zwei Jahre brauchen und erheblichen öffentlichen Druck, um 30 Millionen US-Dollar zusammenzutragen, ist das skandalöse Ergebnis der Freiwilligkeit der Sozialverantwortung von Unternehmen“.

Kontakte:

Gisela Burckhardt, FEMNET
gisela.burckhardt@femnet-ev.de
Tel.: 0152 01774080

Berndt Hinzmann
INKOTA-netzwerk
hinzmann@inkota.de
Tel.: 0160 94 69 87 70

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