H&M, Primark, Nike, etc. : Arbeiter*innen brauchen ihren gesamten Lohn auch während der Pandemie

Millionen von Arbeiter*innen in den globalen Textil-Lieferketten haben während der Pandemie nicht ihren vollen Lohn erhalten oder ihren Arbeitsplatz ohne angemessene finanzielle Entschädigung verloren. Das internationale Netzwerk der Clean Clothes Campaign startet dazu eine Kampagne, die die Marken dazu aufruft, Verantwortung für die Arbeiter*innen zu übernehmen, die ihre Kleidung herstellen. Die Unternehmen sollen sicherstellen, dass die Arbeitnehmer*innen das bekommen, was sie ihnen schuldig sind.

Aufgrund ihrer großen Macht in den globalen Lieferketten können Marken die Bedingungen und Preise der Fabriken, in denen sie produzieren, sehr stark beeinflussen und fungieren im Grunde genommen als Hauptarbeitgeber. Ihre Maßnahmen, um angesichts der Pandemie Geld zu sparen und eigene Geschäftsrisiken zu verringern, haben eine Situation geschaffen, in der die Textilarbeiter*innen den Preis für die Corona-Krise zahlen. Weltweit reagierten Bekleidungsmarken und Einzelhändler auf die durch die Pandemie verursachten Betriebssperren und die wirtschaftliche Unsicherheit, indem sie ihre Bestellungen bei Lieferanten kürzten oder sogar stornierten. Dies hatte zur Folge, dass Arbeiter*innen unbezahlt blieben, weniger als ihren vollen Lohn erhielten oder sogar ihren Arbeitsplatz verloren.

In mehreren Ländern haben Regierungen den Fabriken offiziell erlaubt, ihren Beschäftigten nur 50-60% der Armutslöhne zu zahlen, die sie schon vor der Pandemie erhielten. Andere Arbeiter*innen blieben ohne Lohn oder Arbeit, obwohl die Regierungen die Fabriken drängten, die Beschäftigten nicht zu entlassen und sie weiterhin in voller Höhe zu bezahlen. Seit März gab es kontinuierliche Proteste von Arbeiter*innen gegen Lohnkürzungen und Entlassungen in den Fabriken. In Kambodscha haben die Gewerkschaften sogar eine landesweite Kampagne gestartet, um die von Modemarken einbehaltenen Löhne und Boni zurückzuerhalten.

In einem im August veröffentlichten Bericht berechnete die Clean Clothes Campaign, dass allein für die ersten drei Monate der Pandemie Textilarbeiter*innen zwischen 3,2 und 5,8 Milliarden USD an unbezahlten Löhnen, gesetzlich verpflichtend zu bezahlende Boni und Entschädigungen geschuldet werden. Unser Netzwerk der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) fordert Bekleidungsmarken auf, sich zu einer Lohnzusicherung zu verpflichten: Wir fordern eine öffentliche Verpflichtung der Unternehmen mit effizienten Mitteln dafür zu sorgen, dass ihre Arbeiter*innen erhalten, was sie ihnen schuldig sind. Außerdem sollen sie in Verhandlungen eintreten, um einen Garantiefonds zu errichten. Dieser Fonds muss sicherstellen, , dass Arbeiter*innen, die ihren Job verloren haben, in Zukunft ihre gesetzlich festgelegten Abfindungen erhalten.

Die gestartete Kampagne #PayYourWorkers konzentriert sich auf H&M, Primark und Nike – drei der Marken, die am häufigsten in Berichten von Arbeitnehmer*innen über Arbeitsrechtsverletzungen während der Pandemie auftauchten. Aber der Aufruf, Verantwortung zu übernehmen, richtet sich an alle Bekleidungsmarken und Einzelhändler mit ausgelagerter Produktion. Mehr als ein Dutzend Marken haben sich bereits verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihre Beschäftigten während der Pandemie voll bezahlt werden, darunter Nile, Kuyichi und Taiyo. Es liegt an den größeren Unternehmen, diesem Beispiel zu folgen.

„Diese Kampagne zielt auf einige der reichsten Bekleidungsmarken der Welt ab. Diese Unternehmen haben jahrzehntelang auf der Grundlage von Armutslöhnen und ausgelagerter Verantwortung Gewinne erwirtschaftet, ohne zu irgendeiner Form des sozialen Schutzes in den Herstellungsländern beizutragen. Unsere Kampagne zielt darauf ab, das Geld der Arbeiter*innen zurückzufordern, indem wir die Marken davon überzeugen, Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, die durch ihre unterbezahlte Arbeit die großen Gewinne erst ermöglicht haben“, sagt Ineke Zeldenrust vom International Office der Clean Clothes Campaign.

Die Forderung der Lohnzusicherung ist bewusst offen darüber, wie Marken und Einzelhändler ihrer Verpflichtung nachkommen sollen. Dies kann durch direkte Unterstützung, Notfallfonds, Zusammenarbeit mit Arbeitgebern und Regierungen und einen Garantiefonds geschehen, der darauf abzielt, in künftigen Fällen die geschuldeten Abfindungen zu zahlen.

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