Zu wenig zum Leben – Armutslöhne in Kroatien und Bosnien-Herzegowina

Zwischen den gesetzlichen Mindestlöhnen in Mittel-, Ost-, Südosteuropa und der Türkei und dem, was Arbeiter:innen wirklich brauchen, um mit ihrer Familie über die Runden zu kommen, besteht eine große Lücke. Neue Berichte der Clean Clothes Campaign dokumentieren Armutslöhne in den Modefabriken Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas.

„Ich muss zusätzlich arbeiten, damit ich genug Geld für meine Familie habe. Ich fälle oft Holz für Geld und verdiene mir so 255,65 EUR dazu. Aber alles in allem ist das kaum genug, um alle Ausgaben der Familie zu decken.“ Marko, 48

Textilarbeiter in Kroatien verdienen 12.118 HRK (1.631 Euro) pro Jahr, das ist weniger als die offizielle Armutsgrenze für einen Vier-Personen-Haushalt, und 73.824 HRK (9.936 Euro) weniger als der geschätzte existenzsichernde Lebensunterhalt. Selbst mit der Hilfe ihrer Ehefrau, Verwandten oder älteren Kindern müssen die Arbeiter zusätzliche Jobs erledigen, einige eigenes Obst und Gemüse anbauen und Hühner halten, um genug Essen für die Familie zu haben. Auch wussten die Arbeiter auf Nachfrage nicht, wie viel ein Kinoticket oder ein Besuch in einem Restaurant kosten würden. Die meisten konnten sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal im Urlaub oder überhaupt außerhalb ihres Wohnortes waren.

Zum Länderprofil Kroatiens in englischer Sprache

Die Textil-, Bekleidungs- und Schuhindustrie war eine der Schlüsselindustrien in Bosnien und Herzegowina während der sozialistischen Zeit. Ihre Geschichte geht auf das frühe zwanzigste Jahrhundert zurück. Unternehmen produzierten alles vom Garn und Stoff bis zum fertigen Kleidungsstück, meist unter ihren eigenen Marken. Nach der Transformation hat sich der Sektor komplett verändert. Die Fabriken wurden größtenteils privatisiert, und heute arbeiten 90 % von ihnen als Lohnfertiger für westeuropäische Marken, was bedeutet, dass die Kleidungsstücke nur in Bosnien und Herzegowina zusammengesetzt werden, wo die Wertschöpfung sehr begrenzt ist.

Laut Medienveröffentlichungen, veröffentlichten Lieferantenlisten, Websites von Unternehmen und eigenen Recherchen gehören die folgenden Modemarken und Einzelhändler zu den internationalen Unternehmen, die aus Bosnien-Herzegowina beziehen: Adidas AG, ALDI Süd, Armani, Benetton, Burberry, Calzedonia, Cavalli, Clarks, Converse, C&A, Diadora, Dolce&Gabbana, Decathlon, Gucci, Hess Natur, Hugo Boss, John Lewis PLC, Lidl, Moschino, Nike, Next, Prada, Pentland Brands Ltd, Paul Green, Sportalm, Uyn, Versace, VF.

Zum Länderprofil Bosnien-Herzegowinas in englischer Sprache

Weitere Informationen zum Lohn zum Leben und Länderprofile: https://saubere-kleidung.de/lohn-zum-leben/europa/

Beitragsbild: Yevgenia Belorusets
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