Ein Jahr nach Lohnprotesten in Bangladesch: Immer noch Repressionen

Vor einem Jahr demonstrierten Arbeiter*innen in Bangladesch gegen die viel zu niedrige Mindestlohnerhöhung. Auf die Proteste der Arbeiter*innen folgten massive Repressionen.

Die Repressionen der Fabrikbesitzenden umfasste die Aufstellung von Plakaten von Arbeiter*innen and den Fabriktoren. Auch die Verwendung von biometrischen Datensystem kam zum Einsatz, um Informationen von Arbeiter*innen zu verfolgen und weiterzugeben. Tausende von Arbeitnehmer*innen fanden ihre Namen auf Schwarzen Listen wieder. Es kam zu mindestens 33 Anklagen durch Fabrikbesitzer, welche wiederum Tausende von Bekleidungsarbeiter*innen betraf. Fast alle Fälle wurden von Fabriken eingereicht, die für große internationale Marken produzieren – darunter C&A, H&M, Next, Primark, Mango, Marks & Spencer und Inditex.

Seit Anfang 2019 haben sich nationale und internationale Arbeitsorganisationen, darunter die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und das International Labour Rights Forum (ILRF), an Bekleidungsmarken gewandt, die von Fabriken beziehen, die sich an den Repression beteiligen. Dieses Engagement hat dazu geführt, dass alle 65 Arbeiter*innen, die aufgrund dieser Vorwürfe inhaftiert waren, freigelassen wurden und Fabriken begonnen haben, die gegen streikende Arbeiter*innen eingereichten Klagen zurückzuziehen.

Die Bekleidungsunternehmen, die Fabrikbesitzer und ihre repräsentativen Verbände sowie die Regierung von Bangladesch tragen alle eine gemeinsame Verantwortung für die Lösung dieser Krise, damit die Betroffenen Gerechtigkeit erfahren und keine Angst mehr haben müssen, ihr Vereinigungs- und Protestrecht wahrzunehmen. Genauso wie diese Akteure auch dafür verantwortlich sind, dass die Bekleidungsarbeiter*innen endlich einen existenzsichernden Lohn erhalten.

Hier geht es zur Pressemitteilung.

Hintergrundinformationen:

  • Diese Repressionen sind die schwerwiegendsten seit Jahrzenten in Bangladesch, aber sie haben nicht das gleiche Ausmaß an öffentlicher Aufmerksamkeit erhalten wie die Niederschlagung der Proteste in den Jahren 2016-2017, die auch eine Reaktion auf die Lohnforderungen der Textilarbeiter*innen in Bangladesch war. Die Taktik, Beschwerden gegen eine große Anzahl nicht näher bezeichneter Personen einzureichen, wurde während beider Repressionswellen angewandt, um den Arbeiterinnen und Arbeitern Angst zu machen und weitere Streiks zu verhindern. Mehrere Rechtsfälle aus der Krise von 2016-2017 sind laufen immer noch, wodurch aktive Gewerkschaftsmitglieder weiterhin in ihrer Arbeit behindert werden
  • Die ILRF veröffentlicht hier, wie einige große Marken, die mit den Repressionen und der Krise von 2018-19 in Verbindung stehen, reagieren.
  • Weitere Informationen und Dokumentationen aus den ersten Monaten der Niederschlagung der Proteste sind in Banning Hope, einem Bericht des Worker Rights Consortium vom April 2019, verfügbar.

 

Artemisa Ljarja

Artemisa Ljarja

Koordinatorin Eilaktionen, Kampagne für Saubere Kleidung

Sprich mich dazu an: Eilaktionen – z.B.: Jaba Gamindo, Rana Plaza, Ali Enterprises | Bangladesh Accord | Arbeit der internationalen Clean Clothes Campaign

Ich arbeite von Berlin & Dresden aus.

E-Mail:eilaktionen (at) saubere-kleidung.de

Tel.:+49 (0)1788 233 079

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