Wieviel verdient eine Näherin in der Lieferkette von Zalando oder Hugo Boss? Fashion Checker bringt Licht ins Dunkel

[Berlin, Bonn, Dresden, Wuppertal]

Die Webseite Fashion Checker geht heute online und deckt Details über Lieferketten der größten Modemarken der Welt auf, darunter Zalando, H&M, Primark, adidas und Hugo Boss. Das neue Online-Tool der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign) verrät, wo und wie Kleidung hergestellt wurde. Dazu wurden beide Enden der Lieferkette befragt: hunderte Beschäftigte ebenso wie 108 Modehändler – erstmals in so flächendeckendem Ausmaß. Ergebnis: 93% der befragten Modehäuser zahlen ihren Lieferanten keinen Lohn, der für die Arbeiter*innen zum Leben reicht. 63% informieren gar nicht oder nur rudimentär über ihre Lieferketten. Die Forderung der internationalen Menschenrechtsinitiative Kampagne für Saubere Kleidung, dass bis zum 31. Dezember 2022 existenzsichernde Löhne[1] für alle Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie zu zahlen sind, ist ebenso naheliegend wie überfällig.

Das Geschäftsmodell der Ausbeutung durch extrem niedrige Löhne unter Missachtung von Menschenrechten hat den Modemarken jahrzehntelang Gewinne in Milliardenhöhe ermöglicht. Dabei werden die Preise für die Lieferanten gedrückt. So zwingen die Modemarken ihre Lieferanten, mit sehr geringen Gewinnspannen zu operieren. Von solch niedrigen Preisen können die Produzenten nur Armutslöhne zahlen.

Die Hungerlöhne in der Bekleidungsindustrie sind oft in der Tiefe komplexer und geheimnisvoller Lieferketten verborgen. Der Mangel an Transparenz in der Bekleidungsindustrie hat es den Unternehmen lange Zeit leicht gemacht, sich ihrer Verantwortung zu entziehen.

„Unternehmen müssen aufhören, ihre Geschäftspraktiken zu verheimlichen. Wir brauchen verlässliche Informationen zur Einhaltung von Menschenrechten, also zu Löhnen, Diskriminierung und Unterdrückung von Gewerkschaften vor Ort. Die Verbraucher*innen verdienen es zu wissen, wo und unter welchen Umständen ihre Kleidung hergestellt wird.“, fordert Sina Marx von FEMNET.

Fashion Checker erhöht die Transparenz in der Bekleidungsindustrie und wirft ein Licht auf Hungerlöhne, exzessive Überstunden und die Ausbeutung, die in der Branche trotz aller gegensätzlichen Beteuerungen der Modehäuser vorherrschen.

Bettina Musiolek, ENS e.V. und Ko-Koordinatorin für CCC Süd-/Osteuropa und Türkei, resümiert: „Fashion Checker zeigt eins überdeutlich: Modehäuser geben gerade in der gegenwärtigen Corona-Krise gerne folgenlose Statements darüber heraus, wie sie angeblich ihrer menschenrechtlichen Verantwortung nachkommen. Nur sehr wenige jedoch veröffentlichen Fakten über ihre Lieferketten und noch weniger lassen den Statements Taten folgen. Die internationale Kampagne für Saubere Kleidung liefert nun mit Fashion Checker exakte und aktuelle Daten über Fabriken und Löhne und bringt die Modehäuser damit in Zugzwang“.

Die Corona-Krise zeigt wieder einmal das enorme Machtgefälle in der Branche: Modeunternehmen stornieren unrechtmäßig ihre Bestellungen, sodass Arbeiter*innen von Fabrikschließungen und Massenentlassungen betroffen sind. Da sie jahrelang viel zu wenig Lohn erhalten haben, sind nun Millionen von ihnen unmittelbar in ihrer Existenz bedroht. Das Argument für einen existenzsichernden Lohn ist noch nie so stark gewesen wie heute.

Link zur deutschen Website: www.fashionchecker.org/de

Pressemitteilung als pdf

Weitere Informationen unter:
www.saubere-kleidung.de/fashionchecker

Kontakt:
Sina Marx, FEMNET e.V. / Kampagne für Saubere Kleidung
Tel.: 0163 – 8712171
Mail: sina.marx@femnet.de

Bettina Musiolek, ENS e.V. / Kampagne für Saubere Kleidung
Tel.: 0176 – 577 13 247
Mail: bettina.musiolek@einewelt-sachsen.de

[1] Ein existenzsichernder Lohn, der von den Vereinten Nationen als Menschenrecht angesehen wird, ist ein Lohn, der ausreicht, um einer arbeitenden Person und ihrer Familie eine menschenwürdige Existenz zu sichern

Beitragsbild: Textilarbeiterin, Indien

kofinanziert von der Europäischen Union

kofinanziert von der Europäischen Union

im Rahmen des Projektes “Filling the Gap: Achieving Living Wages through Improved Transparency”

, , ,

Ähnliche Beiträge

Jetzt aktiv werden!

Es wurden keine Ergebnisse gefunden

Menü