Kroatischer Staat subventioniert deutsche Premiummarke OLYMP

Seit 50 Jahren produziert der kroatische Betrieb ORLJAVA für OLYMP, dem mit großem Abstand wichtigsten Kunden. Doch erst Coronahilfen des kroatischen Staates ermöglichen es dem Lieferanten von OLYMP, endlich gesetzeskonform den Lohn der Beschäftigten zu zahlen.

Die Vor-Corona-Lage in der Fabrik war so, dass die Beschäftigten ständig über Rückstände und Verspätungen in der Lohnzahlung berichteten. Außerdem waren die sanitären und hygienischen Bedingungen schrecklich – keine Seife, kein Wasser, kein Toilettenpapier. Die sommerliche Hitze in der Fabrik gepaart mit Arbeitsdruck und Fehlernährung führte zu Fällen von Bewusstlosigkeit an der Nähmaschine. Die Beschäftigten leiden unter ständiger Erschöpfung; 6 von 7 Interviewten nehmen Medikamente gegen Schmerzen, Beruhigungsmittel und Antibiotika. Das schlechte Licht schwächt die Augen, sagen Arbeiterinnen.

Schließlich wurden die geleisteten Überstunden nicht bezahlt. Die in der Fabrik aktive Gewerkschaft Novi Sindikat konnte jedoch vor Gericht Ausgleichszahlungen dafür erstreiten. Die anderen arbeits- und menschenrechtlichen Probleme waren gleichwohl nicht behebbar. Der offensichtliche Grund dafür ist der niedrige Preis, den OLYMP für die hochwertigen Hemden bezahlt. Arbeiterinnen schätzen, dass pro Hemd 3 EUR die Fabrik erreichen. Dies ist verglichen mit anderen Kunden der schlechteste Preis, den Orljava für seine Produkte bekommt.

Während der Coronakrise reduzierte OLYMP seine Aufträge bei Orljava von etwa 70% aus der Vor-Corona-Zeit auf nur noch ca 30% der Produktionskapazität. Dieser Auftragsrückgang konnte v.a. durch staatliche Beihilfen kompensiert werden. Mehr noch, infolge der Staatshilfen bekamen die Arbeiterinnen und Arbeiter von Orljava erstmals seit vielen Jahren ihren vollen Lohn zur gesetzlich vorgeschriebenen Zeit ausgezahlt – ein Zustand, den OLYMP nicht gewährleisten konnte.

Die Gewerkschaft Novi Sindikat fordert nun von OLYMP, ihren Einkaufspreis zu verdoppeln, damit die Beschäftigten in Würde arbeiten und leben können. Zusätzlich sollen alle arbeitsrechtlichen Probleme in der Fabrik beseitigt werden und Tarifverhandlungen mit den in der Fabrik vertretenen Gewerkschaften unterstützt werden.

Quellen:

• Experteninterviews mit Beschäftigten und Gewerkschafter*innen von Novi Sindikat, betriebliche Gewerkschafts-Organisation bei Orljava d.o.o., aus 2019 und 2020
• Info zu Olymp: https://fashionchecker.org/de/
• SWR „Marktcheck“: Olymp; 25.8.2020; Ab min 19:14
https://www.ardmediathek.de/swr/video/marktcheck/marktcheck-checkt-olymp-und-griesson-de-beukelaer/swr-fernsehen/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEyOTA4OTM/
• Bericht “Ausbeutung Made in Europe”, S. 19ff;

Ausbeutung in Europa: Menschenrechtsverstöße in der Produktion für deutsche Modemarken

 

Beitragsbild: Lilia Nenescu, 2018
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