Arbeiter*innen fordern Abfindungen von Olymp

Orljava ist eine Bekleidungsfabrik in Požega, einer Stadt im östlichen Teil Kroatiens. Orljava produziert seit über einem halben Jahrhundert Business-Hemden für die deutsche Qualitätshemdenmarke Olymp, die im Jahr 2019 ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Ein „goldenes Jubiläum“ wie sie es nannten. Vor der COVID19-Pandemie beschäftigte Orljava etwa 300 Mitarbeiter*innen. Dann begann Olymp, das mit mehr als 80% der Aufträgen Hauptabnehmer von Orljava war, die Aufträge drastisch zu kürzen. Seit April 2021 haben sie nichts mehr bestellt. Die Folge: Ein Drittel der Belegschaft wurde entlassen – mehr als 150 Arbeiter*innen verloren ihre Existenzgrundlage.

Aufgrund der sehr niedrigen Preise, die Olymp pro Hemd zahlte (etwa 5 Euro für Produktions-, Betriebs- und Arbeitskosten), haben sich die Schulden von Orljava im Laufe der Jahre angehäuft. Orljava konnte die Produktion ohne Aufträge von Olymp nicht fortsetzen und meldete infolge dessen Insolvenz an. Zu diesem Zeitpunkt waren noch 172 Arbeiter*innen bei Orljava beschäftigt.

Die Kommunikation der Clean Clothes Campaign mit Olymp begann im Mai 2021. Seitdem haben wir etwa ein Dutzend E-Mails ausgetauscht, und dennoch hat Olymp keine Bereitschaft gezeigt, die Produktion fortzusetzen. Sie waren sogar unhöflich und vermieden eindeutig die Kommunikation mit CCC und Novi Sindikat, einer Gewerkschaft vor Ort, indem sie drohten, mit dem Insolvenzverwalter zu sprechen.

Eigentümer des Werks ist die kroatische Regierung, die auch für die akute Situation verantwortlich ist. Die Regierung zeigt jedoch kaum Interesse, den Arbeiter*innen von Orljava zu helfen und die Situation zu lösen. In den letzten Monaten wurden viele Briefe an die Regierung geschickt, Ende Juni eine Protestaktion organisiert und im September eine Solidaritätsaktion, in der die Regierung aufgefordert wurde, sich um die Eigentumsverhältnisse zu kümmern und Olymp die Produktion fortsetzen zu lassen. Doch die Arbeiter*innen bekamen nur leere Worte zu hören und haben immer noch kein Geld zum Leben.

172 Beschäftigte sind jetzt arbeitslos und warten auf ihre Abfindungen. Gemäß ihrem Tarifvertrag haben sie Anspruch auf acht Monatsgehälter. Drei der acht Abfindungsgehälter wird die Regierung über die Agentur für Arbeitnehmeransprüche zahlen, da dies ihre Pflicht ist. Die anderen fünf fehlenden Abfindungen sollten entweder von Olymp oder von der Regierung gezahlt werden, da beide gleichermaßen verantwortlich sind.

Aus diesem Grund organisieren die Arbeiter*innen zusammen mit ihren Arbeitnehmervertreter*innen und mit Unterstützung der Clean Clothes Campaign Aktionen in Städten in Deutschland sowie in Zagreb und ihrer Heimatstadt Požega.

Offener Brief der Beschäftigten des kroatischen Unternehmens Orljava

The letter to Olymp in english language

Bilder: Kampagne für Saubere Kleidung e.V.
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